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Kein Kult um Trophäen

Der Religionslehrer und Jäger Sepp Nöbauer über das Erlebnis des Beutemachens und die waidgerechte Jagdausübung
Ausgabe: 41/2011, Trophäe, Kult, Nöbauer, Herbst, Jagd, Wildbret, Kirche
13.10.2011
- Josef Wallner
Jeden Herbst dasselbe: in der Gesellschaft wird heftig über das Für und Wider von Jagden, besonders von Treibjagden diskutiert. Verstehen Sie als Jäger, dass Treibjagden auf Außenstehende abstoßend wirken?
Nöbauer: Der distanzierte Betrachter sieht nur das Hetzen der Tiere. Er sieht damit aber bloß einen Ausschnitt des Ganzen. Worin besteht denn das Ganze?
Die Stimmung in der Natur zu erleben, den Lebensraum der Tiere zu beobachten und auch zu pflegen. Es ist einfach schön, in der Früh oder in der Dämmerung auf dem Hochstand zu sitzen oder zu pirschen. Ich würde dieses Erlebnis jedem wünschen. Muss Jagd überhaupt sein?
Ja, weil wir Jäger vom Oö. Landesjagdgesetz den Auftrag haben, den Wildbestand entsprechend den Interessen der Land- und Forstwirtschaft zu regulieren. Durch das Wild darf kein Schaden entstehen. Und hier ist Treibjagd die beste Methode?
Sie ist eine Methode. Einmal im Jahr wird ein Gebiet effizient bejagt. Was man nicht bedenkt: Nach wenigen Stunden kann das Wild wieder ein ganzes Jahr lang in Ruhe leben. Sie werden aber nicht bestreiten, dass Jagd etwas Packendes hat.
Natürlich ist das Erlegen eines Tiers spannend. Da kommen archaische Gefühle aus der Urzeit des Menschen zutage: wie das Erlebnis des Überlistens und das Gefühl, dem Tier überlegen zu sein, oder das Ansehen, das mit dem Beutemachen verbunden war. Die Jagd führt nicht nur in die Urzeit der Menschheit zurück, sie zeichnet sich auch durch die Pflege von Ritualen aus ...
Man steckt zum Beispiel dem erlegten Wild einen Tannenzweig oder ein Eichenblatt in den Äser. Damit tritt der Erleger mit dem Erlegten in Beziehung und drückt die Dankbarkeit gegenüber dem Geschöpf aus, dass man es nutzen darf. Rituale sollen verhindern, dass die Lust am Töten mit Jägern durchgeht oder die Trophäen im Vordergrund stehen. Rituale wollen helfen, sich daran zu erinnern, wozu man das Wild erlegt hat: als Lebensmittel. Die Freude der Jäger an den Trophäen darf man aber auch nicht übersehen ...
Die Trophäe ist eine Erinnerung an das Erlebnis der Jagd, es darf aber daraus kein Kult entstehen. Es gibt Jagdgesellschaften, die keine Medaillen mehr für Trophäen verleihen. Generell kann man sagen, dass Wildbret als Lebensmittel immer mehr Bedeutung gewinnt. Was ist das Besondere am Wildbret?
Es ist ein fettarmes und gesundes Fleisch, weil das Wild bei der Nahrungsaufnahme sehr wählerisch ist. Es sucht nach eiweißreicher Nahrung, nach jungen Knospen ... Sie sind von Beruf Religionslehrer. Ist aus Sicht des Glaubens das Jagen zu rechtfertigen?
Ich beziehe mich in meiner Antwort auf den Moraltheologen Michael Rosenberger. Als Jäger handeln wir im Sinn der Bewahrung der Schöpfung. Wir tragen zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichts in Räumen bei, in denen der Mensch ohnehin eingreift. Im ersten Buch der Bibel wird auch ausdrücklich gesagt, dass der Mensch maßvoll – für den Lebensunterhalt – Tiere töten und essen darf. Was sind für Sie Eckpunkte eines ethischen Jagens?
Unser Schlüsselwort ist die waidgerechte Ausübung der Jagd. Dazu gehört die Vertrautheit mit seinen Tieren im Revier oder der perfekte Umgang mit der Waffe, sodass kein Tier leiden muss – um nur einige Kriterien zu nennen. Wo können Sie besser beten – am Hochstand oder in der Kirche?
Die Kapelle des Jägers ist der Hochstand.
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