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Das Wort kann unendlich viel

„Ja, da kann man nix machen“, lässt Prof. Schanovsky nicht gelten. Er sagt: „Man muss etwas tun, auch wenn’s vorläufig nix nutzt!“
Ausgabe: 2011/42, Schanovsky, Glück, Sarajewo, Gegenwart, Bildgeschichte, Foto
19.10.2011
- Ernst Gansinger
„Kann man mit Worten helfen?“, fragt Hugo Schanovsky in einem Gedicht, in dem er seine Wehmut und sein Mitleid mit Sarajewo ausdrückt, das im Bosnienkrieg Schändung und Zerstörung erlitten hat. Und Schanovsky gibt seine Antwort: „Ja, man kann!“

Mit Worten helfen. Das ist für Prof. Hugo Schanovsky ein wichtiger Antrieb für sein umfangreiches literarisches Schaffen, das immer auch politisch ist, weil er sich zu aktuellen Themen zu Wort meldet. Politik und Literatur sind die zwei Bereiche, in denen Schanovsky engagiert präsent war und ist. So machte er als Bürgermeister von Linz (1984 bis 1988) die Landeshauptstadt vor 25 Jahren, per Gemeinderatsbeschluss am 23. Oktober 1986, zur Friedenstadt.

„Das Wort ist zugleich Tat“, sagt der heute 84-jährige Schanovsky. „Spreche ich es nicht aus, begehe ich eine Sünde. Ich kann mit ihm manches erreichen.“ Als im Juli 1995 die Armee der Republika Srpska unter der Führung von Ratko Mladic in Srebrenica ein Massaker an 8000 vorwiegend männlichen Bosniaken verübte, griff Schanovsky zu seiner solidarischen Feder und schrieb das Poem „Srebrenica“, „denn irgendwer muss sich ja äußern!“ Im Gedicht lässt Prof. Schanovsky die Grabsteine reden: Bleibt stehen vor uns / und betet, / für die vielen unschuldigen Toten, / die nicht umsonst gestorben sein sollen ... Dieses Gedicht übergab er Bosniern, die noch immer in Linz leben. So kam es in deren Heimat und wurde dort wie ein Befreiungsschlag aufgenommen. Für die Menschen in Srebrenica war es „unglaublich wertvoll, dass jemand in der Welt unser Schicksal aufgreift.“

Schreiben für die Gegenwart. Derzeit arbeitet Prof. Schanovsky an einer lyrischen Biografie (einer von ihm erfundenen literarischen Gattung) zu Pablo Neruda. Sie wird im November erscheinen. Er hat schon viele Gedicht- Biografien verfasst, zuletzt über Gustav Mahler und Joseph Roth. – Menschen, die es nicht leicht hatten und Großes geleistet haben, widmet Schanovsky seine literarische Aufmerksamkeit. Das offizielle politische und kulturelle Linz wie auch Oberösterreich, nehmen aber von ihm keine Notiz. Kritiker tun ihn, der schon über 200 Bücher geschrieben hat, als Vielschreiber ab. Schanovsky versteht sich dagegen als vielschichtigen Schreiber, der „nicht für die Nachwelt, sondern für die Gegenwart schreibt.“ Bei soviel oberösterreichischer Verschwiegenheit ihm gegenüber, freut er sich um so mehr, dass er im Herbst eine große Auszeichnung der Stadt Wien erhält.

Bildgedichte. Seine Gegenwärtigkeit drückt sich unter anderem in den über tausend Bildgedichten aus, die er bisher verfasst hat – täglich schreibt er neue. Dazu verwendet er Fotos aus den Medien; „ich gebe meinen Senf dazu.“ Die so betexteten Bilder schickt er an Politiker, Kulturschaffende, Freunde. Jüngst inspirierte ihn ein Foto, dem er den Titel gab „Panzer statt Oliven“. Es betraf Griechenland und die Nachricht, dass das Land trotz der aktuellen Wirtschaftskrise 400 amerikanische Panzer bestellen wollte.

Schreiben ist leben. Kritik übt Schanovsky auch an Österreich: „Wie wäre die Welt anders, würde jeder am Schicksal seines Nächsten Anteil nehmen.“ Er nimmt Bezug auf die Bibel: „Was ihr dem Geringsten getan habt ...“ – Gott („es muss einen geben“) spricht Prof. Schanovsky in seinen Texten immer wieder an – „mit zarten und fast verschämten Hinweisen“. Weniger zart sind seine Worte zur gegenwärtigen Politik: So nennt er es eine Schande, dass Linz „auf Menschen, die die Hand aufhalten, mit der Stadtwache Jagd macht.“ Und nicht weniger entrüstet ihn, dass der Bettelparagraph im Oö. Landtag beschlossen wurde. „Leben ist schreiben“, sagt Prof. Schanovsky. Solange er gegen die Gleichgültigkeit anschreiben kann, lebt er, und solange er lebt, schreibt er.
Wer Prof. Hugo Schanovsky fragt, was für ihn Glück ist, bekommt mehrere Antworten: Glück ist ein gutes Familienleben (hier mit Enkerl Johannes). Glück ist, dass 1986 Wirklichkeit wurde, was sein Wunschtraum nach den schlimmen Kriegserlebnissen war – Linz wurde Friedensstadt. Und Glück ist, „wenn ich ein Gedicht geschrieben habe, das den Papierkorb überdauert.“
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