Wie steht es um die Beziehungen zwischen Oberösterreich und dem Vatikan? Wie tickt Rom? Ein Lokalaugenschein in der Schaltstelle der katholischen Kirche.
Die Zölibatsfrage, das Frauenpriestertum oder zuletzt die Pfarrerinitiative. So viel Platz die österreichischen Medien diesen Themen schenken und so leidenschaftlich unter den Kirchengängern auch darüber diskutiert wird – am Ende bleiben meistens die Fragen offen, wie diese Debatten im Vatikan aufgenommen werden und ob Reformwünsche Gehör finden.
Nicht zu viel nachfragen in Rom. Eine Adresse der ersten Wahl, um Näheres zu den Vatikan-Österreich-Beziehungen zu erfahren, ist Franz Xaver Brandmayr. Seit 2008 ist der oberösterreichische Geistliche, der immer wieder als ein möglicher Bischofskandidat für eine österreichische Diözese gehandelt wird, Rektor des Priesterkollegs Santa Maria dell’ Anima. Viele der Priester, die im Kolleg für die Zeit ihres Doktoratsstudiums leben, wechseln an Kirchengerichte oder in den diplomatischen Dienst des Vatikans. Aus den deutschsprachigen Ländern, aber auch aus Nord- und Osteuropa kommen die Geistlichen, die hier leben. Derzeit sind 18 Priester im Kolleg. Franz Xaver Brandmayr hat zwar kein Amt im Vatikan, ist jedoch bestens vernetzt und informiert über die Vorgänge in der Zentrale der katholischen Kirche. „Themen wie die Pfarrerinitiative sind in Rom eine vernachlässigbare Größe. Das wird hier nicht wirklich wahrgenommen“, sagt Brandmayr beim Besuch des oberösterreichischen Journalistenforums in Rom. Dazu sei nicht nur Österreich, sondern auch Deutschland aus Sicht der großen Weltkirche zu klein. Brandmayr sieht den Aufruf zum Ungehorsam der Pfarrerinitiative sehr kritisch und empfiehlt den Landsleuten in Kirchenangelegenheiten pragmatischer zu handeln. „Nicht zu viel nachfragen in Rom, ich bin gegen diesen Zentralismus“, ist etwa sein Zugang zu heiklen Themen wie dem der geschiedenen Wiederverheirateten.
Laienkompetenzen. Die Kirche in Rom denkt nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich anders. „Das dritte Jahrtausend wird das der verstärkten Laienkompetenzen“, sagt Brandmayr. „Dadurch wird aber wahrscheinlich die besondere Rolle der Priester noch deutlicher.“
Der Papst wird oft falsch verstanden. Neben den unterschiedlichen Wahrnehmungen der Ausmaße der Probleme kommt es auch immer wieder zu Schwierigkeiten in der Kommunikation. Unzählige Übersetzungen sind Quellen für Fehlinterpretationen, wie Astrid Haas, Chefredakteurin des deutschsprachigen L’Osservatore Romano, meint. „Wir machen unsere Übersetzungen viel genauer als die Presseagenturen“, betont die Tirolerin: „Genauigkeit geht vor Schnelligkeit“. „Der Papst wird sehr oft falsch verstanden“, sagt Haas. „Und er braucht nur ein Wort wie Kondom und Aids zu sagen – und es platzt die Welt“.