Die KirchenZeitung traf den renommierten Vatikanexperten Bernhard Müller-Hülsebusch zum Gespräch in Rom.
Bernhard Müller-Hülsebusch lebt und arbeitet seit 35 Jahren in Rom. Von 1972 bis 1981 war er Korrespondent des Spiegels. Seither arbeitet der gebürtige Bayer als freier Journalist für deutschsprachige Medien für Italien und den Vatikan. Als Radio Vatikan 2005 das Leben von Benedikt XVI. als Hörspiel vertonte, war es Müller-Hülsebusch, der der Rolle des Papstes die Stimme lieh. „Es ist schade, dass es vom deutschen Papst bislang wenig Geschichten zu erzählen gibt, die hängenbleiben – im Gegensatz zu seinem Vorgänger Johannes Paul II., der ein spezielles Charisma hatte“, sagt Müller-Hülsebusch. „Auch die jüngste Deutschlandreise hat keine Episoden hergegeben. Und Papst Benedikt hat zwar die kirchlich Nahestehenden gestärkt, seine Kritiker aber nicht wirklich angesprochen“, meint der Vatikanexperte.
Initiative zum Scheitern verurteilt. Konfliktthemen, wie die Pfarrerinitiative und deren Aufruf zum Ungehorsam, haben in Italien wenig Bedeutung, weiß Müller-Hülsebusch. Einer der Gründe: „Die Österreicher sind bis auf wenige Ausnahmen im Vatikan schwach vertreten.“ Die Kirchenkrise werde in Italien zudem insgesamt viel weniger stark wahrgenommen, weil das System mit den Kirchensteuern besser funktioniere als die österreichischen bzw. deutschen Beitragsmodelle. Zum Scheitern verurteilt sieht Müller-Hülsebusch die jüngste Initiative der österreichischen Bischofskonferenz in Rom, ein Papier zum neuen Umgang der katholischen Kirche mit Wiederverheirateten absegnen zu lassen: „Da wird sich sicher nix tun.“