Seit Jahresbeginn 2011 gibt es auch in Oberösterreich eine Filiale der Zweiten Sparkasse. Sie bietet verschuldeten Menschen, die keinen Zugang zu Bankdienstleistungen mehr bekommen, ein Haben-Konto.
Kein eigenes Konto zu haben, kann im übertragenen Sinn wie eine Radkralle wirken. Wie diese das Wegfahren des Autos verhindert, blockiert das fehlende Konto den Weg aus der Schuldenklemme. 2006 wurde in Österreich die „Zweite Sparkasse“ gegründet, mittlerweile gibt es sieben Filialen. In diesen werden von mehr als 400 ehrenamtlichen Mitarbeitern der Erste Bank und Sparkassen, das sind vor allem pensionierte Bankangestellte, etwa 7000 sozial schwache Kunden betreut.
Ehrenamtlichkeit. In Oberösterreich wird dieses Bank-Produkt durch die Sparkasse in ihrer Filiale in der Linzer Franckstraße 41 bereitgestellt. Mehr als 30 ehrenamtliche Mitarbeiter/innen kümmern sich dort um die von Beratungsstellen vermittelten Kundinnen und Kunden. Der Bedarf in Wien ist allerdings stärker als in unserem Bundesland, stellen Caritas und Schuldnerberatung gemeinsam fest. In Oberösterreich müssen die Beratungseinrichtungen seltener an die Zweite Sparkasse vermitteln. Denn – so Mag. Thomas Berghuber, Leiter der Schuldnerberatung OÖ – die oberösterreichischen Banken gehen insgesamt vernünftiger mit Problemkunden um. Die Zweite Sparkasse ist eine wichtige Ergänzung, betonen Caritas und Schuldnerberatung.
Den Wiedereinstieg ermöglichen. Voraussetzung für eine Kontoeröffnung bei der Zweiten Sparkasse ist die Vermittlung durch die Caritas, die Schuldnerhilfe oder die Schuldnerberatung OÖ. Fanz Xaver Mayr, Leiter von Beratung und Hilfe der Caritas in Linz, weist darauf hin, dass es entscheidend sein kann, ein Konto zu haben, wenn man um einen Arbeitsplatz vorstellig wird. Auch Thomas Berghuber kommt auf das Problem von Klienten zu sprechen, deren Beschäftigung beim Land am fehlenden Girokonto scheitert. Ein eigenes Konto zu haben, ist für arme, verschuldete Menschen eine Voraussetzung für den Wiedereinstieg in ein finanziell geregeltes Leben. So formulieren es Thomas Berghuber und Franz Xaver Mayr ähnlich wie Caritas-Direktor Mathias Mühlberger, der betont: „Die Caritas begrüßt die Initiative der Zweiten Sparkasse. Dadurch kann auch von uns mehr an Hilfe zur Selbsthilfe für Menschen in Notlagen geleistet werden. Es sollte jedoch generell einen Rechtsanspruch auf ein Konto geben, damit es Menschen in Not nicht zusätzlich erschwert wird, z.B. einen Miet- oder Arbeitsvertrag abzuschließen.“
Freundliche Banken. Mag. Berghuber von der Schuldnerberatung OÖ formuliert weitere Wünsche: dass die Banken auch mit schwierigen Kunden seriös umgehen. Dass die zu erwartenden Folgen der Finanzkrise – vermehrte Probleme bei Kreditrückzahlungen – von den Banken freundlich behandelt werden. Und auch, dass bei Kreditvergaben an Problemkunden nicht durch Bürgschaften der Grundstein zu Familienverschuldungen gelegt werden.
Zweite Sparkasse
Basiskonto und BankCard. Bei der Zweiten Sparkasse erhalten die von einer der Beratungseinrichtungen vermittelten Kunden ein Basiskonto auf Haben-Basis. Das heißt, sie können nicht ins Minus abrutschen.
Die Kunden können bei den Bankomatkassen und an den SB-Foyers der Sparkassen und der Erste Bank ihren Kontostand abfragen, ihre Kontoauszüge drucken, Geld einzahlen, Bargeld beheben und die elektronische Geldbörse laden.
Zusatzleistungen. Die Kunden haben bei der Wiener Städtischen auf Wunsch zusätzlich eine sehr günstige Haushaltsversicherung. Diese besteht aus einer Rechtsberatung, einmal im Quartal, und einer Unfallversicherung, die auch die im gemeinsamen Haushalt lebenden minderjährigen Kinder miteinbezieht.
Voraussetzung. Caritas, Schuldnerhilfe bzw. Schuldnerberatung OÖ vermitteln und erstellen mit dem Klienten/der Klientin einen Antrag auf Konto-Eröffnung. Binnen zwei Wochen kann es dann zur Konto-Eröffnung kommen.