„Die Verwaltung der Angst bedeutet auch, dass die Staaten in Versuchung kommen mit der Angst, ihrer Orchestrierung, dem Umgang mit ihr, Politik zu machen.“ – Wie die Angst unser Leben gestaltet und welche Rolle dabei der Rhythmus der stetigen Beschleunigung spielt, stellt der französische Philosoph und Architekt Paul Virilio im Buch „Die Verwaltung der Angst“ dar. Es ist ein philosophisches Buch voller Hinführungen zu existenziellen Fragen unserer Zeit.
Klimakatastrophen, die Panik an den Börsen, Atomunfälle, Terrorismus und Wirtschaftskrisen machen weltumspannend Angst. „Dank der absoluten Geschwindigkeit der Wellen kann man an jedem Ort der Erde im selben Augenblick das gleiche Gefühl des Schreckens spüren.“ Virilio warnt vor der informatischen Bombe, die nicht lokal ist. „Sie explodiert in jedem Augenblick, anlässlich eines Attentats, einer Naturkatastrophe, einer grassierenden Krankheit, eines bösartigen Gerüchts.“ Virilio sieht einnen Kommunismus der Affekte als Nachfolger des Kommunismus als Interessengemeinschaft. Die Demokratie der Meinungen wandelt sich zur Demokratie der Emotionen. Der Autor spricht von der Verschmutzung der Distanz, der Lebensgröße der Orte und der Zeitspannen; er plädiert dafür, sich zur Reflexion Zeit zu nehmen. Mit zunehmender Geschwindigkeit ist man auf den Blick nach vorne angewiesen, verliert die Wahrnehmung des Seitlichen. „Der Bildschirm ist zu einer Form der Blindheit geworden!“ Virilios düstere Aussicht. „Eine Welt der Unmittelbarkeit und der Simultanität wäre eine absolut unbewohnbare und unlebbare Welt.“
Die Verwaltung der Angst, Paul Virilio, Passagen Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85165-981-8, 96 S., E 12,90.