Er war ein Bischof, ein sehr guter noch dazu. Bischof war er geworden, weil die Leute ihn wollten. Die Rede ist von Martin von Tours. Auf die Frage, was die bemerkenswerteste Leistung dieser Gestalt aus dem 4. Jahrhundert war, werden die meisten antworten: dass er den Mantel geteilt hat mit dem frierenden Bettler. Eineinhalb Jahrtausende ist es her. Als er es tat, war er noch nicht Bischof. Er war Soldat. Erst später, mit 20, ist er zum „Wehrdienstverweigerer“ geworden, weil ihm das Soldatenleben nicht mit dem Christentum vereinbar schien. Nicht eine seiner bischöflichen Amtshandlungen hat sich in das Gedächtnis eingebrannt, sondern seine schlichte und einfache Tat aus seinem Herzen heraus: Das Erbarmen mit dem Bettler. Das hat Martin mit jener Elisabeth von Thüringen zu tun, die acht Jahrhunderte später lebte. Dass sie den Hungernden aus den Beständen des Fürstenhofes zu essen gab. Das ist die Tat ihres Lebens. Martin und Elisabeth – die beiden Novemberheiligen – können der Kirche in ihrem Ringen um ihre Gestalt in dieser Zeit vieles mitgeben. Kirche muss vor allem für die Armen und Bedürftigen spürbar bleiben. Das ist das Um und Auf.