Ausgabe: 45/2011, Buch, Dollfuß, David, Goliath, General, Hitler
15.11.2011
Dollfuß hätte – anders als Schuschnigg es tat – ganz Österreich zum Kampf gegen die Hitler’sche Diktatur aufgerufen und das Heer mobilgemacht. „Ob Hitler daraufhin einmarschiert wäre, kann niemand sagen, Österreich wäre aber auf jeden Fall rühmlicher in die Geschichte eingegangen“, schreibt Alfred Jansa in seinen Erinnerungen. Es ist ein militärisches Buch, noch dazu ein sehr umfangreiches! Für zeitgeschichtlich Interessierte aber ist es ein höchst spannendes Buch, das ins Denken eines österreichischen Militärs einführt, der mit aller Kraft versucht hat, Hitler die österreichisch-eigenständige Stirn zu bieten.Jansa, Offizier der Ersten Republik, war schließlich im Kabinett Schuschnigg von Juni 1935 bis Februar 1938 „Chef des Generalstabs der Bewaffneten Macht“. Herausgeber Peter Broucek ergänzt Jansas biografische Arbeit mit einer Fülle von Anmerkungen zu erwähnten Personen und Orten. Jansa, dem Kaiser treu, dann der Republik, mit Hochachtung gegenüber Dollfuß und Kritik gegenüber den Sozialisten, beschreibt seine militärische Karriere. Gegenüber den Nationalsozialisten empfand er Ekel, Mussolini schätzte er als „Freund Österreichs“. Dem Duce verdankt er auch, dass er nach der NS-Machtübernahme relativ glimpflich davonkam.Jansa wollte die Bedingungen für das österreichische Heer verbessern, um einen Angriff Hitlers hinhalten zu können, bis Hilfe von außen komme. Er scheiterte oft am geringen Budget: „Wenn in Österreich Einsparungen gemacht werden müssen, ist es eine alte österreichische Tradition, beim Heer zu beginnen“, schreibt er.
Peter Broucek (Hg.), Ein österreichischer General gegen Hitler. Feldmarschalleutnant Alfred Jansa-Erinnerungen, Böhlau, Wien 2011, ISBN 978-3-205-78148-6, 830 S., Euro 69,–. <//b>