Das Motto des heurigen Jugendsonntags ist „Nicht nur Ja und Amen“. Mit Postkarten an den Papst wollen Jugendliche artikulieren, dass es in der Kirche Dinge gibt, die sie stören.
Ausgabe: 46/2011, Jugend, Papst, Post, altmodisch, Kirche, Helfenberg, Berg, Krems
21.11.2011
- Paul Stütz
Die Themensetzung „Nicht nur Ja und Amen“ ist bewusst provokant gewählt, so die Katholische Jugend. Kritisch und loyal will man sich mit Kirche auseinandersetzen, das heißt auch aufzuzeigen, „was uns daran nicht passt“. Dadurch soll mehr Lebendigkeit in der Kirche durch Mitbestimmung, Gleichberechtigung und Öffnung ermöglicht werden. Angeknüpft wird mit dem Motto an die Aktion „Hallo Rom“, die die Katholische Jugend Oberösterreich vor zwei Jahren startete, um sich mit ihrem Ruf nach Reformen im Vatikan möglichst Gehör zu verschaffen.
Helfenberg und Berg/Krems. In einer Handvoll Pfarren ist der Jugendsonntag bereits vorzeitig über die Bühne gegangen. Etwa in Helfenberg und in Berg an der Krems. In Berg wurde im Rahmen der Jugendmessen das Motto so umgesetzt, dass Postkarten mit Anliegen an den Papst verfasst wurden. „Die häufigsten Forderungen waren, dass Laien mehr Rechte bekommen sollen, Priester heiraten dürfen und die kirchliche Hierarchie aufgeweicht wird“, erzählt Manuel Mayr (19) von der Katholischen Jugend in Berg. „Für uns Jugendliche sind das wichtige Themen“, betont er. Er glaubt, dass die Kirche auch im Bereich der Sexualmoral dem Zeitgeist mehr folgen müsste. „Das ist wichtig, damit die katholische Kirche nicht die Jugend verliert.“
Zu altmodisch. Die Berger Jugendlichen hoffen nun, dass ihre Anliegen in Rom wahrgenommen werden, machen sich jedoch wenig Illusionen. Für Katharina Pail (17) ist die Postkartenaktion aber in jedem Falle sinnvoll: „Einen Versuch ist es wert, was hat man zu verlieren.“ Sie wünscht sich zahlreiche Beteiligung auch in den anderen Pfarren. Stolz ist die Katholische Jugend in Berg, dass so viele Leute in dem von ihr gestalteten Gottesdienst mitfeierten und auch die modernen Lieder gut ankamen, „Ich habe von anderen jungen Leuten die Rückmeldung bekommen, dass sie eh öfter in die Kirche gehen würden, sie die ganzen altmodischen Lieder, die normalerweise gesungen werden, aber nicht interessieren“, erzählt Naomi Knapp (15).
Jugendsonntag
Der Jugendsonntag geht auf die Nazizeit zurück, als die Katholische Jugend am Christkönigstag gegen die Nazis protestierte. Ihre Botschaft: Unser König ist Christus. Der Jugendsonntag ist bis heute sehr gut etabliert in Oberösterreich. Beim Diözesanplenum der Katholischen Jugend wird das Thema des Jugendsonntags gemeinsam bestimmt. Sehr oft werden damit gesellschafts- und kirchenpolitische Anliegen zum Ausdruck gebracht. 2010 wurde der Jugendsonntag in 146 der insgesamt 487 Pfarren in Oberösterreich gefeiert.