Das Gespür für die Bedürfnisse der anderen ist ganz unterschiedlich ausgeprägt. – Symposien, Tagungen, Festveranstaltungen sind dafür ein „beredtes“ Beispiel. Deren Organisatoren wollen oft zu viele Anliegen vermitteln, sodass die Veranstaltungen, als quirlige Quelle der Aufmerksamkeit gedacht, zum trägen Strom der Ermüdung anschwellen und schließlich über das Ufer der Geduld treten. In einer solchen Situation betritt einer von denen, die noch nicht zu Wort kamen, aber laut Programm etwas zu sagen haben, die Bühne. Vor dieser hat die Ungeduld schon einen See gebildet. Der Redner spürt dies und spricht nur wenige Sätze. So hat er dem zappeligen See eine Schleuse geöffnet. Doch ihm folgt ein weiterer, der eine Botschaft anzubringen hat. Und der leitet kühn ein: „Weil sich mein Vorredner so kurz gehalten hat, kann ich länger reden.“ – In diesem Augenblick dreht das Wasser um, das bereit war abzufließen, kehrt zurück und spült die Botschaften des Kühnen ins offene Meer des Widerwillens. Dort kommen die Worte zusammenhanglos an, niemand wird sie je wieder zusammenfügen. Der eine nahm Rücksicht auf die Gäste und hat kaum etwas gesagt. Es bleibt im Gedächtnis. Der andere wollte eine Botschaft anbringen. Die ist jetzt ertränkt.