Durch verstärkte Zusammenarbeit will die katholische Kirche den Menschen nahe sein und in der Gesellschaft wirksam bleiben.
Dass die Kirche auch heute „keine Jammergestalt darstellt, sondern eine Hoffnungsgestalt verkörpert“, davon ist der Innsbrucker Theologe Franz Weber überzeugt. Ob Aids-Kranke in Afrika oder indigene Völker im Amazonasgebiet – viele setzen ihre Hoffnung auf die Kirche. Aber vor allem, dass Gott seiner Kirche die Treue hält, sei eine Ermutigung – auch für die Kirche in der Diözese Linz. Die Reformschritte in der Diözese Linz seien keineswegs ein Sonderweg. In vielen Diözesen Afrikas, Lateinamerikas und auch Asiens seien Laien im Auftrag der Bischöfe in der Leitung von kleinen kirchlichen Gemeinschaften eingebunden.
Neue Richtlinie. Nach fast zweijähriger Entwicklung verabschiedete der Pastoralrat der Diözese Linz in seiner Herbsttagung am 18. und 19. November im Bildungshaus Schloss Puchberg die Richtlinie „Kirche im Territorium“. Sie beschreibt, wie künftig die katholische Kirche „nahe bei den Menschen und wirksam in der Gesellschaft“ sein will. Der Zusammenarbeit unter den Pfarren, ebenso zwischen Pfarren und anderen „pastoralen Orten“, soll noch viel größere Bedeutung zukommen. Nicht mehr überall wird das „vollständige“ Pfarrprogramm angeboten werden müssen, mit Schwerpunkt-Setzungen sollen Personen mit besonderen Fähigkeiten und Angebote über Pfarrgrenzen hinaus zum Tragen kommen. Für die Zusammenarbeit unter Pfarren oder anderen pastoralen Orten sollen schriftliche „Kooperations-Vereinbarungen“ geschlossen werden.
Zusammenlegung von Pfarren möglich. Erstmals in einem offiziellen Dokument wird nun auch die Möglichkeit einer Fusionierung von Pfarren angesprochen. Dafür soll es verbindliche und transparente Regelungen geben. Pfarrzusammenlegungen wird es allerdings nur dann geben, wenn dies sowohl von den betroffenen Pfarren selbst als auch von der Diözese als die sinnvollste Variante angesehen wird.
Umfrage gibt zu denken. Dass die Diözese Linz einer kleinräumigen Pfarrstruktur hohe Bedeutung beimisst, erscheint angesichts einer vom Kommunikationsbüro in Auftrag gegebenen IMAS-Umfrage der richtige Weg zu sein. Die Pfarren sind die stärkste Seite der Kirche. Über die Pfarren sind weitaus am meisten Menschen in Kontakt mit der katholischen Kirche. Dramatisch hat sich allerdings die Zustimmungslage der Kirche gegenüber verschoben. Für 52 Prozent der Oberösterreicher/innen ist ihre Religion wichtig. Ebenso viele Menschen glauben aber, dass Religion künftig weniger Bedeutung haben wird. Besonders „schwach“ sind die Werte bei Jugendlichen – mit einer Ausnahme: In sozialen Anliegen trauen auch die Jugendlichen der Kirche viel zu.
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Segensreich wirken
Oberösterreichs Priester wollen sich intensiv mit dem von einer Moraltheolog/innen-Gruppe vorgelegten „Ethik-Codex professioneller Seelsorger/innen“ befassen. Das hat der Priesterrat bei seiner Herbstkonferenz am 16. und 17. November beschlossen. Der Codex soll einerseits die berufliche Zufriedenheit fördern, betrifft aber auch den Umgang mit Geld, Sexualität oder mit vertraulichem Wissen, etwa dem Beichtgeheimnis. Wie Dr. Michael Rosenberger – einer der Autoren – darlegte, soll der Codex beitragen, dass das Mühen der Priester ein Segen für die Menschen wird.