„So wie das Licht von Kerze zu Kerze weitergegeben wird, muss sich auch ein Klima des Friedens ausbreiten“, sagt Helmut Obermayr zur Entzündung des Friedenslichts. Der ORF-Landesdirektor hat vor 25 Jahren die Aktion initiiert. Sie ist ein Weihnachtsbrauch geworden, der um die Welt geht.
Sie gibt keine langen Erklärungen, aber ihre Augen beginnen zu leuchten, wenn man sie auf ihre einzigartige Aufgabe anspricht: Sarah Schinwald aus Munderfing ist das Friedenslichtkind 2011. Am Montag, 21. November 2011, am Nachmittag war es soweit. Der griechisch-orthodoxe Bischof Theofilaktos entzündete an einem der Öllämpchen, die – wie ein ewiges Licht – stets in der Geburtsgrotte von Bethlehem brennen, eine Kerze. Er gab die kleine Flamme an die 11-jährige Sarah weiter. Von ihrer Laterne aus wird das Licht seinen Weg nehmen. Über 400 Reisende haben als „Friedenslichtpilger“ die Hauptschülerin begleitet. Sie waren die ersten, die bei einem anschließenden Gottesdienst das neue Friedenslicht in den Händen hielten. „Ein Erlebnis, das wir nie vergessen werden“, wie viele Pilger/innen übereinstimmend sagen.
Friedenslichtkind. Sarah ist bereits ein Friedenslichtprofi. „Ich habe das Friedenslicht schon bei uns im Ort verteilt.“ Das Mädchen, dessen Eltern eine Landwirtschaft betreiben, gehört der Feuerwehr-Jugendgruppe an und ministriert seit vier Jahren eifrig. Pfarrer Josef Pollhammer freut sich über die Auswahl: „Sarah ist eine freundliche, gewissenhafte und verlässliche Ministrantin. Und sie sieht sofort, wo sie anderen helfen kann – in der Sakristei und darüber hinaus. Da ist wirklich die Richtige Friedenslichtkind geworden.“ Als Anerkennung für die zahlreichen Beiträge zum „Friedensbezirk Braunau“ wurde die Hauptschule Munderfing eingeladen, heuer das Friedenslichtkind zu nominieren. Sarah wurde ausgewählt, weil sie sich ehrenamtlich engagiert und als besonders hilfsbereit gilt.
Politischer Bibelsatz. Landeshauptmann Josef Pühringer bezeichnet Oberösterreich als Friedenslichtland: „Oberösterreich hat einen guten Namen wegen seiner Industrie, wegen Anton Bruckner oder der VOEST. Uns kann nichts Besseres passieren, als dass wir auch mit Frieden in Verbindung gebracht werden.“ In der Bibel gebe es keinen politischeren Satz als „Friede den Menschen auf Erden“. Das sei der wichtigste Auftrag für die Politik.
Bethlehem ohne Frieden. Bethlehem ist die Stadt des Friedenslichts. Doch von einem Leben in Frieden sind die Menschen in der Region weit entfernt. Pfarrer Abuna Asis von der römisch-katholischen Pfarre der Hirtenfelder dankte, dass die Pilgergruppe in seiner Kirche den Gottesdienst feierte: „Bitte beten sie für Gerechtigkeit und Frieden. Wir brauchen eure Gebete für unser Land, das unter der Besatzung so leidet.“ Auf die israelische Besatzung Palästinas wies auch Abdel Fattah Hamayal, der Governor des Bezirks Bethlehem, hin. Er sagt: „Wir versuchen, unseren jungen Leuten eine gute Ausbildung zu geben. Das sind unsere Waffen, mit denen wir die Lage ändern wollen.“