Christina Blätterbinder arbeitete als „Missionarin auf Zeit“ ein Jahr lang in einer Pfarre im afrikanischen Benin mit Kindern, Jugendlichen und Senioren. Wie man den Glauben vermitteln kann und was der Papstbesuch in Benin bringt, erzählt sie im Interview.
Wie bist du dazu gekommen, als Missionarin auf Zeit in Benin zu arbeiten? Christina Blätterbinder: Die Sehnsucht nach Afrika zu gehen, war immer da. Dann hab ich mir mit Mitte 20 gesagt, wenn ich es jetzt nicht mache, wann dann? Man wird nicht jünger.
Mit welchem Anspruch an deine Arbeit bist du hingegangen? Den Leuten den „richtigen“ Glauben zu bringen? Natürlich bin auch ich überzeugt, dass Christus die befreiende Botschaft ist für die Leute, die offensichtlich arm sind und nicht viel haben, aber man vermittelt das heute – zum Glück – anders als früher. Da hat man geglaubt, man geht dorthin und die Menschen können nur in Christus die Erlösung finden.
Glauben vermitteln, indem man ihn selbst authentisch lebt ... Es liegt an mir auszustrahlen, was mir der christliche Glaube bedeutet, damit der Funke auf andere überspringt. Wichtig ist, dass Respekt die Beziehung zu den Menschen prägt.
Was sind die Hauptprobleme der Kinder und Jugendlichen in Benin? Der familiäre Zusammenhalt ist oftmals nicht so gut. Sehr vielen Eltern ist egal, was die Kinder im Alltag machen. Sie sind auf sich alleine gestellt.
Was kann man sich mitnehmen von den Menschen in Benin? Die meisten haben eine große Unvoreingenommenheit gegenüber den anderen. Die Menschen leben den Glauben mit großer Freude. Ohne die Armut zu romantisieren: Man kann sich nach so einem Einsatz besser vorstellen, was mit „Selig die Armen“ gemeint ist.
Welche Bedeutung hat es für Benin, dass der Papst am Wochenende das Land besucht hat? Über Afrika wird sonst nur in Zusammenhang mit Hungerkatastrophen oder Aids berichtet. Da ist eine Berichterstattung über ein freudiges Ereignis, wie den Papstbesuch, sehr wichtig.
Seit ein paar Monaten bist du zurück: Hat sich dein Blick aufs Leben verändert? Das Bibelwort: „Was ihr den geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, habt ihr mir getan“, nimmt Gestalt an, wenn man damit persönliche Geschichten verbinden kann. Und ich hab die starke Hoffnung, dass sich das Angesicht der Welt verändern kann, damit die Vision von der Einen Welt doch einmal Realität wird.
Was wohl ein langer Weg sein wird. Die Ressourcen und das Wissen wären da, um Armut und Hunger auf der Welt zu beseitigen, aber wir schaffen es nicht, die Güter gerecht zu verteilen. Aber das „Prinzip Hoffnung“ ist sehr wichtig, das habe ich in Afrika gelernt. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Wenn viele Menschen an vielen Orten viele kleine Dinge tun, können wir das Gesicht der Welt verändern.“