Julfest statt Weihnachten, ein Führerbild im Herrgottswinkel – das Nationalsozialistische Regime wollte sich nicht nur in den Köpfen, sondern auch in den Gefühlen der Menschen festsetzen. Das christliche Brauchtum stand dem im Weg. Deswegen versuchte das NS-Regime es auszurotten, umzudeuten oder durch eigene Symbole zu ersetzen. So wurde Weihnachten zum „deutschesten aller Feste“, bei dem man neben der Julfest-Tradition ein „geheiligtes Lichtkind“ in den Mittelpunkt stellte, das in einem Berg lebte. Die Autorin weist auch darauf hin, dass manches bis heute noch nachwirkt. Zum Beispiel die in Kirchenführern häufig zu lesende Bemerkung, dass diese oder jene Kirche auf einem heidnischen Kultplatz errichtet wurde. Das hält sie für eine Mär der Nazi-Ideologie, die sich als Wissenschaft tarnte.
Geraubte Tradition, Wie die Nazis unsere Kultur verfälschten, Elsbeth Wallnöfer, Augsburg 2011, 176 Seiten, € 20,60.
Barocke Lebenskunst
„Barock ist eine Kultur der Verschwendung“, schreibt Peter Hersche. Doch im Vergleich zur heutigen Lebensweise war die damalige Verschwendung durchaus maßvoll. Erträge im Rhythmus der Natur nur langsam steigern und Zeit im Überfluss genießen – dem stehen heute Ausbeutung von Ressourcen und hektischer Konsum gegenüber. Nach seiner Universalgeschichte des Barock von 2006 führt der Autor nun sehr wissenschaftlich begründet Beispiele an, was wir von dieser Epoche lernen können: Alle unsere Lebensbereiche nicht mehr daran zu messen, ob sie wirtschaftlich sind, ist nur eines davon.
Gelassenheit und Lebensfreude, Was wir vom Barock lernen können, Peter Hersche, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2011, 199 Seiten, € 17,95.