„Politik war in meiner Gastfamilie ein richtiges Tabuthema“
Franziska Freinberger (18) hat im Herbst ehrenamtlich weißrussischen Kindern Deutschunterricht gegeben. Zurück in Österreich hat sie die Hilfe für das osteuropäische Land zum Thema eines Firmprojekts in ihrer Heimatpfarre Nußdorf gemacht.
Nach einer strapaziösen 24-Stunden-Fahrt mit dem Zug landete Franziska Freinberger im letzten Herbst in einer anderen Welt. In Weißrussland, Europas letzter Diktatur. Als Teil eines vierköpfigen Frauenteams aus Österreich hat sie eine Woche lang in der Stadt Svetlagorsk bei einer Gastfamilie gelebt und in einer Schule Deutschunterricht gegeben. „Wir haben uns vor allem über alltägliche Hobbys wie Fußball, Musik und Computer unterhalten“, erzählt Franziska. Ausgeklammert wurden in der Schule und in der Gastfamilie größtenteils die politischen Themen. „Die Leute haben Angst vor dem Regime. Politik ist ein Tabuthema“.
Krise und Tschernobyl. Nicht leugnen lässt sich aber, dass die Bevölkerung besonders unter der Wirtschaftskrise leidet. „Die Menschen müssen mit sehr sparsamer Kost auskommen. Viele versorgen sich durch den Eigenbau von Gemüse und Obst“, berichtet die 18-Jährige. Die Folgen der Atomreaktorkatastrophe in Tschernobyl vor über 25 Jahren wirken noch immer drastisch nach. „Es gibt sehr viele Krebspatienten. Jede Familie hat Betroffene“, erzählt die Schülerin. Umso wichtiger ist ihr nach der Rückkehr, den Menschen in Weißrussland zu helfen. Als Firmbetreuerin in Nußdorf initiierte sie ein Spendenprojekt für das Mutter-Kind-Zentrum St. Lukas der Caritas in Minsk. Dort war Franziska im Herbst zwei Tage lang untergebracht und hat gespürt: „Hier überwiegt die Hoffnung und ich weiß, dass das gesammelte Geld wirklich bei den Leuten ankommt.“
Hilfe für Weißrussland
Am Samstag, 10. März findet um 20 Uhr in der Pfarrkirche Nußdorf/Attersee ein Gottesdienst statt, in dem das Mutter-Kind-Zentrum St. Lukas in Minsk vorgestellt wird und Firmlinge für das Projekt Spenden sammeln werden.