Auch Kirche ist eine Beziehungsangelegenheit. Doch in unseren Tagen und Breiten ist man zu sehr geneigt, Kirche auf eine Art riesige Arbeitsgemeinschaft einzuengen. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger
Willst du mit mir zusammenarbeiten? Ein solcher Heiratsantrag ließe kaum gutes Gelingen erwarten – obwohl jeder und jede weiß, dass Zusammenleben mit sehr viel Arbeit verbunden ist. Aber Beziehung ist mehr: Da geht es darum, ob man einander mag, schätzt, gerne beisammen ist, schlicht: füreinander da sein möchte. Auch Kirche ist eine Beziehungsangelegenheit. Doch in unseren Tagen und Breiten ist man zu sehr geneigt, Kirche auf eine Art riesige Arbeitsgemeinschaft einzuengen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden gesucht – für die vielen Arbeitskreise und Ausschüsse, für die Aufgaben, die zu erfüllen sind – als wäre die Kirche eine Firma, in der Produkte für die Sinnmärkte des Lebens hergestellt werden – Hauptsache, die Buchhaltung stimmt. Das wäre eine sehr schmale und anstrengende Sicht von Kirche. Schaut man in die Bibel, wird man vergeblich nach „Arbeitskreisen“ suchen. Wohl begegnet man Gruppen von Menschen, die gemeinsam unterwegs sind – mit Jesus. Es geschieht gewiss auch viel Arbeit auf diesen Wegen – aber das ist selten das Erzählenswerte. Auf dem Weg sind ihnen die Augen aufgegangen. Sie haben eine neue Bestimmung für ihr Leben erfahren. Dabei sein heißt, Leben gewinnen.