Ausgabe: 2012/11, CD-Tipp, Rauscher, Kettcar, Musik
14.03.2012
- Klaus Rauscher
Vier Jahre nach dem lärmenden und daher mehr als durchwachsenen „Sylt“ melden sich Kettcar mit „Zwischen den Runden“ und einer Hand voll neuer Alltagsweisheiten zurück. Weg sind sie, die lauten E-Gitarren, dafür haben die Hamburger ihr Repertoire um Geigen und einen Satz Bläser erweitert – die Akustik-Tour mit Streicherensemble hat sichtlich ihre Spuren hinterlassen. Im Opener „Rettung“ dann die erste Lehrstunde mit Marcus Wiebusch: „Es ist nicht das, was man empfindet / Nicht nur das, was man fehlt / Nicht was man voller Sehnsucht sucht / Liebe ist das, was man tut“. Verpasste Chancen und zerplatzte Träume scheinen dann ein wenig die Hoffnung zu nehmen – der Trost: Wir sind „Im Club“ nicht alleine. Voll strotzender musikalischer Strahlkraft präsentiert sich dann „R.I.P.“. Doch Wiebuschs Gesang über den (alltäglichen) Beziehungskrieg schickt einen unbarmherzig auf die Bretter: „Wenn das der Frieden ist / Musst du den Krieg nicht noch erfinden“. Zärtlichere Töne schlagen Kettcar in Songs wie „Weil ich es niemals so oft sagen werde“ oder „In deinen Armen“ an. „Schrilles, buntes Hamburg“ ist eine neuerliche Hommage an die Hansestadt, kommt allerdings bei Weitem nicht an das herrliche „Landungsbrücken raus“ vom Erstlingswerk ran. „Der apokalyptische Reiter und das besorgte Pferd“ bringt schließlich noch mal ordentlich Schwung und eine Prise Hoffnung in die Bude, ehe das gezupfte „Zurück aus Ohlsdorf“ den Tod zur Tür hereinbittet. „Zwischen den Runden“ lässt einen völlig gebannt und nach Atem ringend in der letzten Bankreihe sitzend zurück.
- Kettcar – Zwischen den Runden (erschienen bei Grand Hotel Van Cleef).