Die Rettungsgasse fördert auf eine eigenartige Weise das Gemeinschaftsgefühl. Ob das auch ohne Autos geht?
Ausgabe: 2012/11, Rettungsgasse, Gasse, Autos,
14.03.2012
- Christine Grüll
Menschenaufläufe regen mich auf. Manchmal im negativen Sinn bei politischen Kundgebungen, mit deren Parolen ich nicht einverstanden bin. Manchmal ganz positiv, wenn es um Glaube, Freiheit, Frieden geht. Seit Anfang des Jahres erlebe ich eine neue Form von Menschenansammlung, bei der ich fröhlich mitmache: die Rettungsgasse.
Seit 1. Jänner sind Autofahrende verpflichtet, im Falle eines Staus auf der Autobahn links und rechts an den Fahrbahnrand zu fahren. In der Mitte bildet sich eine freie Gasse, die bei Bedarf von Rettungsfahrzeugen benützt werden kann. Immer wieder berichten die Medien von Situationen, in denen das nicht funktioniert hat. Ich kann verkünden: Auf der A7 funktioniert es wunderbar, und ich trage dazu bei. Zuletzt im heftigen Schneegestöber, vor und hinter mir eine Autoschlange. Ich wäre lieber im Zug gesessen. Trotzdem war ich guter Stimmung und auch andere Autofahrer/innen lächelten. Warum das so ist? Weil die Rettungsgasse auf eine eigenartige Weise das Gemeinschaftsgefühl fördert.
Schön wär‘s, wenn wir die rettende Gasse auch im Zusammenleben öfter bilden würden. Ganz ohne Autos.