Genau vor zwei Jahren – am 11. März 2010 – wurden die Missbrauchsfälle im Benediktinerstift Kremsmünster öffentlich. Abt Ambros Ebhart, der seit 2007 der Klostergemeinschaft vorsteht, hat die Situation nicht beschönigt. Seine Absicht, mit der Situation ehrlich umzugehen, war zu spüren. Nun liegt der Gerichtsakt vor. In den Medienberichten darüber wird das ganze erschreckende Ausmaß dessen, was im Internat des Stiftes vorgefallen ist, noch einmal deutlich. Für viele ist es schwer verständlich, wie all das so lange im Dunkeln bleiben konnte, zumal es ganze Schulklassen an Zeugen geben musste. Man hätte den Gerüchten nachgehen sollen, bedauert nun Abt Ambros Ebhart. Die Vorfälle seien unentschuldbar.
Gutzumachen ist nichts mehr, auch wenn das Stift den Empfehlungen der Klasnic-Kommission folgend Entschädigungszahlungen leistet. Und auch „Verjährung“ gibt es nur im juristischen Sinne. Geheilt wird dadurch nichts. Das ist der lange Schatten des Bösen: dass die Folgen von Missbrauch und Gewalt Menschen ihr Leben lang zu schaffen machen.
Dass es neben der Geschichte um Gewalt und Missbrauch auch die segensreiche Geschichte des Wirkens von Patres und anderen im Stift Kremsmünster gibt, damals wie heute, wird man ebenfalls annehmen können. Das eine wiegt das andere nicht auf. Gutes macht Böses nicht ungeschehen, aber auch das Böse macht das Gute nicht ungeschehen. Wachsam gegen Gewalt und Missbrauch heute zu sein. Das ist es, was möglich ist. Wenigstens das!