Die Masse hat Macht. Es ist verlockend, Teil der Masse zu werden. Und groß ist die Angst, sich nicht konform zu verhalten, sich gegen die mächtige Masse zu stellen.
Am Palmsonntag jubelt die Menge. Wenige Tage darauf wird sie „Kreuzige ihn“ rufen. Auf eine Stimmung ist kein Verlass. „Die Tugend der Verlässlichkeit. O je. Was ist denn das, Verlässlichkeit, in welchem neuen Wörterbuch ist es denn zu finden?“, schreibt Peter Rosegger in der Erzählung „Unverläßlichkeit“. Unverlässlichkeit macht verführbar. Nicht nur durch die Masse, auch durch erwartete Vorteile: „Der Händedruck eines Fürsten und das Lächeln einer schönen Frau! Da reißt sich kein Weisling los.“ – So läutet Goethe im „Götz von Berlichingen“ den kommenden Verrat Weislingens an Götz ein. Doch zurück zur Masse: Literatur-Nobelpreisträger Elias Canetti schreibt „der wahre Henker ist die Masse“. Je mehr Menschen sich einer Masse anschließen, desto gewaltiger wird sie. Desto mehr droht Unverlässlichkeit, desto eher werden Menschen fallen gelassen. Verlässlichkeit ist ein knappes Gut. Machen Sie mit. Schreiben Sie uns bis Gründonnerstag, 5. April, Zeugnisse (geschichtlich, aktuell oder auch aus der Literatur) der Verlässlichkeit – davon, dass Menschen/ein Mensch nicht fallen gelassen wurde/n. Wir verlosen ein Canetti-Hörbuch „Masse und Macht“. Adresse: KirchenZeitung, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, E-Mail: office@kirchenzeitung.at
Zum Denk Mal Nr. 11 bekamen wir leider keine Einsendungen. (Wir baten um Texte, die sich mit diskriminierten Gruppen in Österreich solidarisieren.)