Die ältere Generation beklagt häufig, dass die heutige Jugend zu angepasst sei. Dabei gibt es auch unter den Jungen „Wutbürger.“ Wie diese Jugendlichen ticken, erforschte eine Studie des Instituts für Jugendkulturforschung.
Das Engagement für Protestbewegungen hat unter den 16- bis 19-Jährigen einen besseren Ruf als jenes in politischen Parteien. 37 Prozent der befragten Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren sagen, dass eine (politische) Protestbewegung für sie in Frage kommt. Bei den Parteien sind es 24 Prozent. Die Protestjugend ist sehr interessiert an Politik, geht aber zu den Parteien auf Distanz. Charakterisiert werden können die Protestbewegungen damit, dass sich Menschen kurzfristig zusammenschließen, um möglichst schnell ein Problem zu lösen. Was auch eine kürzlich veröffentlichte Studie zum Thema „Umweltschutz“ des Magazins Focus unterstreicht. Teenager würden schnell ungeduldig und würden sich erwarten, dass sich durch ihr Engagement etwas hier und jetzt verändert.
Weiblich und gebildet. Bereit zum Protest sind tendenziell eher junge Frauen als Männer. Zudem kommen die jungen Protestler vorwiegend aus den höher gebildeten Schichten. Was auch daran liegen könnte, dass diese mehr Zeit zur Verfügung haben, sich in konkreten Initiativen auszuleben. „Und es sind Jugendliche, die sich konsumkritisch geben“, wie es Jugendforscherin Beate Großegger formuliert. Gepaart ist das aber häufig mit bewusst alternativem Konsumstil, wie etwa dem Kauf von Fair-Trade-Produkten. Junge Wutbürger/innen leben vereinfacht gesagt so: Er oder sie ist Online-Freak, bekennender Bücherwurm und legt die Wege mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zurück. Großen Stellenwert hat die AntiDiskriminierung von gesellschaftlichen Randgruppen. Besonders wichtig ist ihnen außerdem ein Gratiszugang zur Bildung.
Waldlauf versus Fitnessstudio. Interessantes Studiendetail ist der Vergleich der Gruppe der Protestverweigerer (40 Prozent der Befragten) mit den jungen Wutbürgern, was das Freizeitverhalten betrifft. Fußball ist bei den Verweigerern deutlich populär als bei der Gruppe der protestbereiten Jugendlichen. Und während unter den Verweigerern das Stählen des eigenen Körpers im Fitnesscenter beliebtes Hobby ist, sind die Protestorientierten viel eher im Wald beim Laufen anzutreffen. P.S.
Quelle: Politik-Sonderauswertung der Studie „Jugend und Zeitgeist“ von Dr. Beate Großegger. www.jugendkultur.at