Ein routinierter Mensch. Das ist einer, bei dem alles wie am Schnürchen läuft. Seine Entscheidungen führen zu den erwarteten Ergebnissen. Von Klein auf wurden ihm die Fähigkeiten antrainiert, die ihn folgerichtig denken und handeln lassen. Nach menschlichem Ermessen wird er sein Leben in der Hand haben. – Man wird sich auf ihn verlassen können. Kommt es anders, so ist es eben Schicksal – oder ein Unglück. Dagegen lässt sich trotz aller Routine nichts machen. Da kommt Ostern – und es ist nichts mehr Routine. Dass einer, statt auf die Rettung seiner Person zu schauen, das Wohl – eigentlich müsste man „Heil“ sagen, aber dieses Wort wurde später grässlich missbraucht – der anderen im Auge hatte, war nicht zu erwarten. Dass einer nicht den Fluchtweg aus der Lebensgefahr nahm, sondern den Kreuzweg ging, durchbricht die Routine des Erwartbaren. Der Weg zum Leben kommt nicht aus der Routine eines berechenbaren Gottes, sondern aus seiner Liebe. „Dass dir ja nichts passiert!“, wünscht man Menschen, mit denen man es gut meint. „Es möge dir etwas passieren“, darf man im Sinne von Ostern wünschen – weil es die Grenzen des Erwartbaren sprengt. Ostern hat mit Erlösung zu tun – zum Guten hin.