Vier Freundinnen aus dem Salzkammergut haben sich bereits drei Mal nach Linz aufgemacht, um auf der Landstraße für Hilfsprojekte in Rumänien und Afrika zu musizieren. Im Juni werden sie es wieder tun. Clara Himmelbauer ist eine von ihnen.
Woher kennt ihr euch? Clara Himmelbauer: Aus der Schule. Christina und Cecilia gingen in eine Klasse, ich in die Parallelklasse, Julia eine Klasse unter uns. Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Wir wollten etwas bewirken und etwas Nützliches machen. Cecilia kannte eine Organisation, für die wir sammelten. Und da wir alle Instrumente spielen, übten wir noch ein paar Weihnachtslieder.
Was bedeutet Musizieren für euch? Rückzug, Ausdruck, Mitteilung, Abschalten, Gemeinsamkeiten, Motivation, Kraft, Freizeitbeschäftigung, Spaß, einfach schön … und für Clara manchmal auch Taschengeld. Ihr fangt jetzt schon für Juni zum Proben an, wie viel Aufwand ist das eigentlich? Wir haben alle Zeitprobleme, aufgrund der Schule und anderen Unternehmungen mit der Familie meistens an Wochenenden. Deswegen haben wir oft in der Schule in den Mittagspausen geprobt. Ansonsten haben wir nur zwei, drei Treffen, bei denen Cecilia auch dabei ist, die jetzt auf eine andere Schule geht. Diese dauern dann die ganze Nacht und wir bringen auch Schulsachen zum Lernen mit. Es gibt auch Meinungsverschiedenheiten, was den Musikgeschmack und die Auswahl der Lieder betrifft. Außerdem müssen wir uns entscheiden, für welche Organisation wir sammeln, und uns Flyer organisieren.
Da waren sicher auch Formalitäten zu erledigen. Wir brauchen vom Magistrat Linz eine Sammelbestätigung und eine Straßenmusikbestätigung, die beide etwas kosten. Außerdem brauchen wir plombierte Sammelbüchsen und eine erwachsene Begleitperson, die die Verantwortung übernehmen muss, falls wir etwas anstellen. Zusätzlich müssen wir in Linz alle 30 Minuten den Standort wechseln.
Wie reagieren die Leute auf der Landstraße? Sehr unterschiedlich. Viele sind vom Einkaufen gestresst, manche ignorieren uns und machen abwertende Bemerkungen, wie: „Die haben doch sowieso viel mehr als wir.“ Viele Leute gehen anscheinend auch ohne Geld einkaufen. Doch wir bekommen sehr viel Lob für die Musik und dafür, dass die Aktionen von uns und nicht von einer Organisation wie der Caritas ausgehen. Viele haben auch Musikwünsche. Mit Leuten kommen wir ins Gespräch und wenn einer spendet, spenden gleich mehrere. Die Musik ist dabei ganz wichtig. Wenn wir nicht spielen, spenden die Leute gleich weniger. Erinnerst du dich an ein besonderes Erlebnis? Wir wollten mit dem „Einfach-raus-Ticket“ nach Linz fahren, doch leider kauften wir die Karte für den falschen Tag. Die Schaffner ließen uns freundlicherweise doch fahren, einer spendete sogar etwas. Im Zug spielten wir uns dann etwas warm, die Leute hatten viele Musikwünsche. Und einmal, als wir fragten, ob wir uns bei einem Geschäft unter dem Dach hinstellen dürften, brachte uns die Verkäuferin sogar Schokolade. Allgemein waren die Aktionen immer lustig.
Welche Projekte habt ihr unterstützt? Bei den ersten zwei Aktionen sammelten wir für das Haus der Hoffnung in Rumänien, ein Waisenhaus, das die Babys von der Straße holt und sie an Patenfamilien weitervermittelt (www.hausderhoffnung.org) Die Familie, die das Waisenhaus aufgebaut hat, stammt aus Ebensee, Cecilia und Julia kannten die Leute dort persönlich. Bei der letzten Aktion sammelten wir für eine Schule in Burkina Faso. Die Kinder dort bekommen den Schulbesuch gratis, eine warme Mahlzeit pro Tag und sind zudem unfallversichert. Bei einem Konzert letzten Sommer stellte der Mann, der diese Schule aufbaute, sie vor und Julia unterhielt sich mit ihm (http://sababu.mamadoudiabate.com/). Die nächste Sammelaktion machen wir Ende Juni für eine bolivianische Organisation namens Alalay, das bedeutet „Mir ist kalt“. Auch diese Organisation nimmt Straßenkinder auf und gibt eine Lebensgrundlage (http://www.alalay.at/). Bei Cecilia wohnt derzeit eine Austauschschülerin, die von Alalay lebte.
- Mit Clara Himmelbauer aus Schwanenstadt spielten auch: Cecilia und Mirjam Bergthaler aus Bad Ischl und Christina Humer aus Traunkirchen. Beim nächsten Mal werden noch mehr Leute beteiligt sein.