Der alte Mann bricht nach acht langen Jahren noch einmal sein Schweigen, steigt vom Mönchsberg und singt … nein, spricht zu uns. Vielleicht zum letzten Mal. „Going home / Without my burden / Going home / Behind the curtain / Going home / Without the costume / That I wore“ – der Abschied als Begrüßung und im Hintergrund sanfte Engelschöre. Wenn Sanftmut erschüttern kann, dann zelebriert dies Cohen im Opener „Going Home”. „Amen“ markiert den Beginn unserer eigenen Erlösung, die dann später in „Come Healing“ vollzogen wird. Ein düsterer Blues wird mit „Darkness“ heraufbeschworen und Cohen kehrt den Zweifler und Geprügelten heraus: „I got no future / I know my days are few / The present’s not that pleasant / Just a lot of things to do / I thought the past would last me / But the darkness got that too”. Und schließlich ist es wieder die Liebe, die im Song „Crazy To Love You“ die eigene Seele rettet. Das finale „Different Sides“ gemahnt beinah an einen Popsong und man fühlt sich an das großartige „First We Take Manhatten“ erinnert. In den zehn Songs von „Old Ideas“ ist alles da, was den großen Songpoeten schon immer ausgezeichnet hat: der Sinnsucher, der Liebhaber, der Prediger, der Sünder, der Gentleman. Cohen scheint schon näher dem Himmel als der Erde und dennoch ist er mit „Old Ideas” so präsent wie schon lange nicht. Klaus Rauscher
- Leonard Cohen – Old Ideas (Sony Music)