Früher befanden sie sich in derselben Klasse. Die Fünferkandidaten und die Vorzugsschüler/innen. Im Erwachsenenleben sollten die Mustergültigen am Prüfstand stehen: Wie viel an Bereitschaft, Schwächeren zu helfen, haben sie mitgenommen? Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger
Ausgabe: 2012/19, Zwischenprüfung, Schulschluss, Schule, Zeugnis, Erfolg
09.05.2012
- Matthäus Fellinger
Jetzt kommt sie wieder: die Zeit, in der die einen „verlängerte Wochenenden“ genießen, während andere dem Schulschluss entgegenfiebern. Prüfungszeiten sind angesagt, und es geht um die Entscheidung zwischen Aufsteigen und Durchfallen. Solange ein Mensch die Schule besucht, sind die Regeln relativ klar. Am Ende steht es im Zeugnis. Und solange ein Mensch in die Schule geht, befindet er sich in einem System, das viel Mühe darauf verwendet, damit es gut ausgeht. Durchfallen und Aufsteigen – gibt es auch später. Nur steht es in keinem Zeugnis mehr. Und auch die Regeln sind nicht mehr so klar. Da achtet kaum jemand darauf, ob einer sich durch das Leben nach oben geschwindelt hat. Erfolg ist Erfolg! Und erst das Durchfallen. Wie viel an Bereitschaft, Schwächeren zu helfen, haben die Vorzugsschüler/innen von einst auf ihrer Laufbahn mitgenommen – oder abgestreift? Früher befanden sie sich in derselben Klasse. Jetzt laufen die Wege auseinander – die der Erfolgreichen und die der Sitzengebliebenen. Es wäre nicht schlecht, so eine Art Zwischenprüfung einzuschieben, so mit 40 oder 50: Wieweit man sich noch versteht auf das Einmaleins der Freundschaft – und dass man den Schwachen helfen soll.