Eines Tages werden wir es wissen. Im Jenseits. So erwarten es fromme Leute. Da werden die vielen Geheimnisse des Lebens sich lüften. Der Himmel – die Antwort auf alles Unbekannte? Alle Rätsel gelöst? Die Neugier gestillt? Endgültig?
Aber das wäre ein dürrer Himmel. Ein endgültiger Abschluss, ohne dass noch Neues kommt. Darüber hinaus wäre nichts mehr. Im wenigen, was Jesus über den Himmel spricht, bevor er aufgenommen wird in der Wolke, die Theologen und anderen Leuten soviel Kopfzerbrechen bereitet, spricht er von einer Wohnung. Ein Daheimsein ist das. Ein Ankommen. Aber wo kommt man an? Dass Menschen sich den Himmel immer schon oben vorgestellt haben, mag einen Hinweis geben. Nach oben gelangt man nicht leicht. Und wenn man – nach einem langen und mühevollen Weg – endlich oben ist, ganz oben am Gipfel, da tut sich die Welt auf. Sie „erklärt“ sich nicht einfach. Die Klarheit da oben ist von anderer Art. Eine Offenheit ist es. Sie verschlägt einem den Atem. In diesem Staunen werden die Fragen klein. Vielleicht ist der Himmel der Ort, an dem man gar nichts mehr versteht – an dem man sich aber verstanden weiß. Aufgenommen.