Eine moralische Krise lähmt Politik; Abgemachte Sache in Russland;
Kommentare der Woche von Hans Baumgartner und Susanne Huber
Ausgabe: 2012/20, Kommentare, Krise, Politik, Russland, Putin,
16.05.2012
- Hans Baumgartner, Susanne Huber
Eine moralische Krise lähmt Politik
Bei einer Diskussion mit Kardinal Schönborn sprach der ehemalige italienische Ministerpräsident und EU-Kommissionspräsident, Romano Prodi, von einer „weltweiten moralischen Krise“. Er meinte damit, dass die Lehre von den freien Märkten, die von selber am besten für das Wohl der Menschen sorgen würden, sich im Denken vieler Menschen festgesetzt hat. Die nur mehr an einer möglichst raschen Gewinnmaximierung interessierten Märkte haben gezeigt, wohin dieses Denken führt. Warum eigentlich ist die Politik immer noch nicht bereit, die Weichen neu zu stellen – im Sinne der Katholischen Soziallehre: das Gemeinwohl und der Mensch haben Vorrang vor dem Kapital. Ist diese „Moral“ so schwer zu begreifen? Hans Baumgartner
Abgemachte Sache in Russland
Überraschend war es nicht. Wladimir Putin ist als russischer Präsident wieder in den Kreml zurückgekehrt. Regierungsgegner sprechen von unfairen Wahlen und von einem abgemachten Ämtertausch zwischen Medwedjew und Putin. Dagegen gab es bereits vor und auch nach der Wahl heftige Proteste, gegen die zum Teil gewaltsam vorgegangen wurde. Hunderte Oppositionelle sind dabei verhaftet worden. Erst vor einer Woche gingen 10.000 Menschen für Versammlungsfreiheit auf die Straße. Putins Rückhalt in der Bevölkerung scheint zu schwinden. Seine Gegner fordern politische Reformen, eine unabhängige Justiz, ein Ende der Medienzensur, die Freilassung politischer Gefangener. Dass Putin den Forderungen nachkommen wird, ist nicht zu erwarten. Susanne Huber