Vorsichtig muss man sein, sonst kommen sie über uns, die mit den Kopftüchern. So sagt es die Sprache der Angst. Aber solange man Anpassung nur vom anderen erwartet, kommt Pfingsten nicht. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger
Alle Sprachen. Alle Nationen – und alle auf einem Platz. Sie verstehen einander. Das war Pfingsten. So soll es sich ereignet haben, damals in Jerusalem. Aber Pfingsten ist lange her. Die Völker leben wieder getrennt. Wo die Grenzen nicht klar sind, legt man Spielregeln fest: Asylrecht, Fremdengesetze. Wer bei uns leben will, muss sich integrieren, die Sprache erlernen sowieso. Selbst eine spezielle Polizei steht im Dienst. Vorsichtig muss man sein, sonst kommen sie über uns, die mit den Kopftüchern. So sagt es die Sprache der Angst. Sie treibt auseinander, hält die einen von den anderen fern. Sie verstehen einander nicht, in ihren eigenen Sprachen schon gar nicht. Christen haben jetzt ein Problem. Was tut man mit Pfingsten, wenn man nicht will, dass es sich wieder ereignet? Jeder in seiner Sprache, nach seiner Art? Nein, sagt die Angst. Aber solange man Anpassung nur vom anderen erwartet, kommt Pfingsten nicht. Ein Christentum, das Pfingsten auf gegeben hat – dass aus dem großen Durcheinander ein Miteinander wird – hat sich selbst aufgegeben. Auch, wenn es schwierig ist: Christsein ohne Begegnung – das gibt es nicht. Wer könnte sagen, „ich glaube“, wenn er Pfingsten misstraut?