Im Bekenntnis zum dreifaltigen Gott steckt die Überzeugung: Gott ist Gemeinschaft. Im Geist Gottes zu leben heißt auch, gemeinsam um Entscheidungen zu ringen. Ein Leitartikel von Josef Wallner
Nein, es ist keine theologische Spitzfindigkeit, was die Kirche am Sonntag nach Pfingsten feiert: das Fest der heiligsten Dreifaltigkeit, das Fest des einen Gottes in drei Personen – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Im Bekenntnis zum dreifaltigen Gott steckt die Überzeugung: Gott ist kein unendlich mächtiger, aber einsamer Kaiser, kein himmlischer Supervater, kein Willkürherrscher, sondern Gott ist Gemeinschaft. Der Theologe Gisbert Greshake hat in den letzten Jahren mit Nachdruck darauf hingewiesen: Dreifaltigkeit ist die Entfaltung des Bibelworts „Gott ist Liebe“. Liebe braucht den Partner, das Ich das Du. Und diese Liebe wird vollkommen, wenn sie sich gemeinsam einem Dritten oder etwas Drittem zuwendet. Christen glauben an einen Gott, der Liebe, Begegnung, Beziehung, Gemeinschaft ist. Dieses Gottesbild hat Konsequenzen. Wenn Familie, Kirche oder Gruppen den Anspruch haben im Geist Gottes zu leben, dann werden sie sich – so großspurig das klingt – an der Dreifaltigkeit orientieren: wo jede Person ihre Eigenständigkeit behält, nicht der Stärkere alles diktiert, wo um Entscheidungen gemeinsam gerungen wird ... am Dreifaltigkeitsfest kann man mehr für das Zusammenleben lernen, als man vermutet.