Heute geht die Kirche durch selbst verschuldete Krisen. Missbrauchsskandale und „Vati-Leaks“ sind nur zwei Beispiele. Fronleichnam mag in dieser Zeit bedeuten: Der Weg, den Jesus gegangen ist, ist dennoch der Weg, der zum Guten führt. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger
Das Fronleichnamsfest bringt Kirche ins Gespräch. Mit der Prozession durch die Straßen verlässt sie ihre Innenräume und setzt sich der Öffentlichkeit aus. Sie tat das zu unterschiedlichen Zeiten aus unterschiedlichen Motiven. Den Akzent, dass die katholische Kirche ihre eigene Deutung der Eucharistie gegen die Evangelischen demonstrieren wollte, hat das Fest Gott sei Dank schon lange nicht mehr. Auch die Absicht, die eigene Größe und Bedeutung in der Gesellschaft in einer Art Triumphzug zur Geltung zu bringen, hat heute niemand mehr. Eigentlich war das zu allen Zeiten eine falsche Interpretation des „Leibes Christi“, der da gezeigt wird. Viel eher ist Fronleichnam die Fortsetzung des Kreuzweges Christi. Der sein Leben hingegeben hat, er ist tatsächlich zur „Speise“ geworden. „Brot, das die Hoffnung nährt“, wie es ein neueres Kirchenlied zum Ausdruck bringt. Heute geht die Kirche durch selbst verschuldete Krisen. Missbrauchsskandale und „Vati-Leaks“ sind nur zwei Beispiele. Fronleichnam mag in dieser Zeit bedeuten: Der Weg, den Jesus gegangen ist, ist dennoch der Weg, der zum Guten führt. Wenn der Kreuzweg Jesu zum Glaubensweg der Menschen wird, kann er zum Heilsweg werden.