In dieser Nummer behandelt die Konzilsserie von Bernhard Körner die Konstitution über die göttliche Offenbarung. Es geht dabei um das Kernstück des christlichen Glaubens, um seine Quellen. Vier Jahre haben die Konzilsväter um dieses Dokument gerungen. Die Päpste haben mehrfach eingegriffen. Bei der Ausarbeitung ergaben sich so schwerwiegende Prob-leme und Differenzen, dass sogar das Konzil daran zu scheitern drohte. Es ging dabei u. a. darum, alte Lehrmeinungen, wie dass die Bibel und die Tradition quasi vom Heiligen Geist direkt diktiert wurden, mit den Erkenntnissen der modernen Bibelwissenschaften, dass bei der Lektüre der „Quellen“ auch deren historische, soziologische oder literarische Folie mitzulesen sei, zusammen- zubringen. Zugespitzt könnte man sagen: Es ging darum, inwieweit Gottes Wort Gotteswort bleibt, wenn darin zu viel Menschliches vorkommt. Und es ging auch darum, die Balance zwischen der Lehr-tradition und der Hl. Schrift als Quellen der Offenbarung neu zu definieren. In der Auseinandersetzung mit dem Protestantismus, der nur die Hl. Schrift als Quelle gelten ließ, war es zu einer Überbetonung der Tradition und des Lehramtes gekommen. Eine Folge war auch, dass in der katholischen Kirche das Lesen der Bibel der Laien- christ/innen erst mit der Bibelbewegung des 20. Jahrhunderts eine breitere Basis fand. Zu Beginn des Konzils schien es keine Brücke zwischen den „Lagern“ der Bewahrer und der Modernisierer zu geben. Am Schluss wurde das Dokument mit nur sechs Gegenstimmen angenommen. Deshalb: auch im Sinne einer neuen Dialogfähigkeit lohnte es sich, das Konzil neu zu lesen.