Die Talente, die ein Mensch mitbekommen hat, gehen nicht einfach von selber auf. Sie können erst keimen, wenn die Bedingungen passen. Leitartikel von Matthäus Fellinger
Wochenlang kümmerten die Pflänzchen dahin. Ein paar Tage Regen – und auf einmal schießen sie förmlich in die Höhe, die dünnen, empfindlichen Stängel werden kräftig. Jetzt darf man auf Blühen und Ernte hoffen. Wachsen und Gedeihen kommen nicht einfach von selber. Der Samen, in dem das Wunder des Lebens steckt, muss in die Erde gelegt werden, damit das Leben wachsen kann; und es braucht dann gute Wachstumsbedingungen – besonders am Anfang. So ist es auch mit den Talenten, die ein Mensch mitbekommen hat. Sie gehen nicht einfach von selber auf, sie können erst keimen, wenn die Bedingungen passen. Sie brauchen die Sonne der Mitmenschlichkeit, in deren Wärme sie gedeihen können, sie benötigen den Regen der Bildung, der sie nicht im Trockenen lässt. Es tut manchmal auch Gegenwind gut, damit die Triebe nicht einfach in die Höhe schießen, sondern standhalten können im Schweren des Lebens. Wie Pflanzen brauchen auch Menschen viel Licht. Wer die spirituellen Lichtquellen verkümmern lässt – die Heilige Schrift gehört ebenso dazu wie der Schatz an Erfahrungen aus allen Zeiten der Kirche, stellt sich selbst in den Schatten. Wer führt schon gerne ein Schattendasein?