Der HTL-Schüler Josef Sulzer (16) hat sich mit der NS-Geschichte in seiner Heimat Großraming beschäftigt. In einem Zeitzeugengespräch befragte er seine Oma zu der Mauer des Schweigens. Künftig eine eigene Gedenkfeier für die Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge von Großraming zu haben, fände er nicht schlecht.
1975 waren dem Verfasser eines Großraming-Heimatbuches das Nebenlager von Mauthausen und die Zwangsarbeiter des Ennskraftwerkes gerade einmal zwei Sätze wert. „Wahrscheinlich wollte der Autor gewisse Personen schützen“, vermutet Josef Sulzer. Dabei sind in den Jahren 1942 bis 1944 227 Menschen im Lager und beim Bau des Kraftwerks umgekommen. Zu welch unvorstellbaren Gewaltexzessen es immer wieder kam, hat Josef Sulzer in dem Buch „Strom für den Führer “(Autor: Adolf Brunnthaler) nachgelesen. „Einfach schockierend“, sagt der 16-jährige HTL-Schüler.
Gespräch mit Großmutter. Mit seiner Oma, die 1936 geboren wurde, hat er über diese Zeit gesprochen. „Sie hat mir erzählt, dass die Bevölkerung sehr wohl wusste, was sich hinter den elektrischen Zäunen abspielte. Die Angst vor Verrat war aber zu groß, um in der Öffentlichkeit mit jemandem zu sprechen.“ Heute gibt es in der Ennstalgemeinde ein Mahnmal, das an die NS-Opfer erinnert. Dennoch: Josef Sulzer würde sich mehr wünschen: „Eine eigene Gedenkfeier wäre nicht schlecht.“ Josef Sulzer ist einer von insgesamt 32 Schülern der HTL Steyr, die sich im Rahmen des Religionsunterrichts mit der NS-Zeit, Euthanasie und Widerstand auseinandersetzten. Geachtet wurde immer auf einen lokalen Bezug zu Steyr und der angrenzenden Region. Auf einer Landkarte haben die Schüler eingezeichnet, welche Opfer der Euthanasieanstalt Hartheim es in ihren Heimatorten gab.
Gedenktag im Parlament. All das haben sie bei einem Gedenktag im Parlament Anfang Mai präsentiert. „Für mich ist die Beschäftigung mit der damaligen Zeit wie ein Weckruf“, betont Josef Sulzer, der nicht versteht, wieso „ein vernünftig denkender Mensch etwas an den Nazis gut finden kann“. Denn er beobachte gelegentlich beim Fortgehen, dass es einzelne Jugendliche gibt, die bewusst mit rechtsextremen Parolen provozieren wollen. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts war der kirchliche Widerstand gegen die Nazis, wie Religionslehrer Karl Ramsmaier berichtet: „Als Einzelner ist man zwar oft machtlos. Diese Beispiele zeigen aber auf, dass es immer eine Möglichkeit gibt, etwas zu tun.“