Das Buch „Spenderkind“ erzählt die Geschichte von Lina, die mit 15 erfährt, dass sie durch Samenspende gezeugt wurde. Alles was sie über ihre Familie zu wissen glaubte, ist mit einem Mal infrage gestellt. Ein sehr empfehlenswertes Buch über Identität, Familie und die Liebe.
Lina hat einen Freund, ist beliebt in ihrer Clique, und versteht sich sehr gut mit ihren Eltern. Ihr Teenagerleben ist behütet und läuft in sehr geordneten Bahnen. Bis durch die erneute Schwangerschaft ihrer Mutter ein großes Geheimnis ans Tageslicht kommt: Lina wurde durch Samenspende gezeugt. Das 15-jährige Mädchen versucht zu verstehen und ist dennoch zuerst einmal sehr böse auf ihre Eltern. Sie sieht ihr bisheriges Leben plötzlich als eine einzige Lüge. Was hat sie mit ihrem Vater, der ihr plötzlich fremd ist, gemeinsam? Und wer ist dieser anynome Samenspender, dem sie ihr Leben verdankt? Auf der Suche nach ihrem biologischen Vater stürzt sie sich in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Damit verknüpft ist auch, dass sie die Beziehung zu ihrem Freund infrage stellt. Dessen perfektes, makellosen Leben scheint auf einmal nicht mehr zu ihr zu passen. Perspektive der Kinder. Zwar wird in dem Buch von Katrin Stehle thematisiert, was die Eltern zu der künstlichen Befruchtung bewogen hat. Im Vordergrund steht aber die Perspektive von Lina, dem Spenderkind, die die ersten 15 Jahre ihres Leben nichts ahnend von ihrer Zeugungsgeschichte aufwuchs. Sehr realitätsnah gibt das Buch einen Eindruck von dem Schock, den diese Information gerade in einer Umbruchszeit wie der Pubertät auslöst. Bei Lina kommt die Frage dazu, ob ihre Eltern nicht ihr kleines Geschwisterchen, das „normal gezeugt“ wurde, viel lieber haben werden als sie. Die Beziehung zu ihren Eltern wird auf eine Bewährungsprobe gestellt. Sehr einfühlsam schildert die Autorin die Zweifel von Lina und ihren Eltern. Was zählt mehr – die Gene oder die Gefühle? Es ist letztendlich ein längerer Prozess, bis Lina über ihren Vater sagen kann: „Wir teilen vielleicht kein einziges Gen. Dafür aber eine Menge Erinnerungen“.