Was soll man von einem Kind schon erwarten können, fragen die Leute. Die Geschichte von der Geburt des Johannes erzählt – auch – vom Wunder des Zutrauens. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger
„Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ So fragten sich die Leute über den kleinen Johannes, den man später den Täufer nennen wird. Die Erwartung war hoch. Das Evangelium berichtet von einem kleinen Wunder, das diese Erwartung angestachelt hat. Ganz von sich aus wäre es diesem Kind sonst auch gegangen, wie es vielen Kindern auf der Welt geht. Was soll man von einem Kind schon erwarten können, fragen die Leute. Es wird erst zeigen müssen, was es drauf hat, wird beweisen müssen, was es kann. Dann – ja dann wird man von ihm auch etwas erwarten können. Die Geschichte von der Geburt des Johannes erzählt – auch – vom Wunder des Zutrauens. Dieses Zutrauen steht zuerst. Es bildet den Vertrauensrahmen, in dem ein Mensch wachsen und stark werden kann. Meist ist es umgekehrt: Zuerst die Leistung, dann das Zutrauen. Da erwartet man von den wenigen, die Ruf und Namen haben, sehr viel, alles sogar. Und die anderen bleiben in der Unachtsamkeit zurück. Die Bibel legt das Zutrauen mit hinein in die Wiege. Es ist wichtig wie die Muttermilch, die einen Menschen nährt. Auch ein Johannes war darauf angewiesen – umso mehr die vielen, die keinen Namen haben.