In den Abfall-Sammelstellen sieht man es deutlich – wie viel eigentlich Gutes der Lust nach Neuem zum Opfer fällt. Schnell ist von gestern, was eben noch neuester Schrei war. Auch die Mülltonnen im Kopf quellen über. Zu vollgestopft sind sie von all dem, was man soeben erfahren, dort und da aufgeschnappt hat. Nur was neu ist, scheint interessant. Ein Buch für eine Saison. Das Lied, ein Sommerhit. Die Nachricht von gestern brauchst du keinem erzählen. An Neuigkeitsnachschub gibt es keinen Mangel. Google und hunderte TV-Kanäle sorgen dafür. Es scheint, als fühlten sich Menschen nur im Neuen wohl. Aber wohin mit dem Alten? Auf den Müllhalden des Geistes landet das Gestrige. Kaum etwas scheint wichtig über den Tag hinaus. Der Neugier muss die Gier genommen werden, denn wo nur Neues zählt, gibt es das Vertraute nicht mehr. Wirklich gute Dinge brauchen Zeit zum Wachsen, zum Gären. In den Mülltonnen im Kopf läge vielleicht mancher Gedanke, der gar nie „ausgedacht“ wurde, weil man ihn gleich wieder zugedeckt hat mit einer Neuigkeit. Es lohnt sich, das Gute und das Glück, auch das Rettende, nicht nur im Neuen zu vermuten. Manchmal war es längst da.