Nikolaus Harnoncourt, der „Musikphilosoph“, dirigiert bei der Styriarte Graz Dvoraks „Stabat mater“ und geistliche Werke von Mozart. Vor kurzem erhielt er in München den Romano-Guardini-Preis.
Es ist schon eher ungewöhnlich, dass die Katholische Akademie Bayerns ihren Preis, der nach dem großen Theologen, Kulturphilosophen und religiösen Schriftsteller Romano Guardini benannt ist, einem Musiker verleiht. Aber Nikolaus Harnoncourt (85) „ist nicht nur ein Dirigent von Weltrang, er ist auch Musikphilosoph, Denker und Deuter von Welt“, begründete Akademiedirektor Florian Schuller die Entscheidung der Jury. In seiner Laudatio machte der Theologe Philipp Harnoncourt die geistige Verwandtschaft seines Bruders Nikolaus zu Guardini deutlich. Beide fühlen sich der Weltsicht des französischen Mathematikers, Philosophen und überzeugten Christen Blaise Pascal zutiefst verbunden. In ihr gibt es nicht nur die mit dem rationalen Verstand erkennbare Wirklichkeit, sondern auch eine geistige Wirklichkeit, deren Sinn, Wahrheit und Werte nur mit dem „Denken des Herzens“ erfasst werden kann – und als dritte Ebene, die Wirklichkeit Gottes. Für Nikolaus Harnoncourt war Musik immer viel mehr als eine „Behübschung des Lebens“, sie ist für ihn eine „Klangrede“, in der das Denken des Herzens zum Ausdruck kommt. Und deshalb kämpft er seit Jahren energisch gegen das Zurückdrängen der Musikerziehung in den Schulen, denn damit wird den Kindern das Recht auf eine umfassende Bildung ihrer Persönlichkeit genommen. Und deshalb erklärt er seinen Musiker/innen immer wieder mit Hingebung die Texte geistlicher Werke, denn nur so können sie deren innere Botschaft auch vermitteln.