Immer mehr junge Menschen absolvieren im Rahmen ihrer Ausbildung eines oder mehrere Praktika. Die Schere zwischen fairen und prekären Praktikumsbedingungen klafft dabei weit auseinander.
Michael Huemer-Fistelberger ist Schüler der Fachschule für IT und Datenverarbeitung in Traun. Er wird heuer im Sommer zum ersten Mal als Praktikant arbeiten. Die Suche nach der Praktikumsstelle habe sich als schwierig erwiesen. Durch Freunde sei es dann aber doch gelungen, eine gute Stelle zu ergattern. Tausenden österreichischen Schüler/innen geht es ähnlich wie Michael. Der Trend zum Pflichtpraktikum in berufsbildenden mittleren und höheren Schulen wird immer stärker. Während der Pflichtpraktika sollen die Schüler/innen ihr theoretisches Wissen in der Praxis umsetzen, eine Ahnung von der Arbeitswelt bekommen und Kontakte knüpfen, heißt es auf der Homepage der berufsbildenden Schulen. Ähnliches gilt für die Studierenden der Fachhochschulen in Österreich. Beinahe 100 Prozent arbeiteten während ihres Studiums mindestens einmal als Praktikant/in. An den Universitäten sind Pflichtpraktika zwar nicht so häufig, die meisten Studierenden absolvieren dennoch oft Praktika, um ihren Lebenslauf aufzupeppen und den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Generation Praktikum. Seit 2005 geistert der Begriff durch die Medien. Er nimmt auf jene jungen, hoch qualifizierten Student/innen und Studienabsolvent/innen Bezug, die für wenig Geld gute und harte Arbeit leisten. Schicksale von ausgebeuteten Individuen füllten die Zeitungen. Mittlerweile ist es ruhiger geworden um die „Generation Praktikum“. An einer radikalen Verbesserung für Praktikant/innen liege das aber nicht, so Veronika Kronberger vom Referat für Sozialpolitik der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH). Seit Jänner 2012 sind unbezahlte Praktika im öffentlichen Dienst untersagt, eine allgemeine gesetzliche Regelung gibt es aber immer noch nicht. Deshalb seien schlechte Bezahlung, fehlende soziale Absicherung und Überstunden an der Tagesordnung. Die meisten Schüler/innen und Studierenden würden schlechte Praktika dennoch in Kauf nehmen. Entweder weil diese Pflicht für Schule und Studium sind oder um damit den Lebenslauf aufzufüllen und so den Berufseinstieg zu erleichtern. ÖH Gütesiegel. Eine gesetzliche Regelung ist in nächster Zeit nicht zu erwarten. Deshalb haben ÖH, Arbeiterkammer und die Plattform „Generation Praktikum“ die Sache selber in die Hand genommmen. Seit April 2011 zeichnet die ÖH Unternehmen, die faire Praktika anbieten, mit einem Gütesiegel aus. Bewerben können sich Firmen, die Praktikant/innen in einem schriftlichen Vertrag angemessene Entlohnung, eine zeitliche Beschränkung des Praktikums, die Bereitstellung aller notwendigen Betriebsmittel und eine adäquate Betreuungsperson zusichern. Bis jetzt wurde das Zertifikat an 18 Firmen, die vorwiegend aus dem Technik- und Wirtschaftsbereich kommen, vergeben. Was es braucht. So richtig gegriffen hat das Projekt „ÖH Gütesiegel“ nicht. Um breitenwirksame Veränderungen herbeizuführen, bräuchte es einen gesetzlichen Rahmen, der die Rechte und Pflichten von Praktikant/innen festlegt. Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg, so Veronika Kronberger.