„Jetzt reicht es“, sagt Ruth Picker über den Tiefstand der österreichischen Entwicklungspolitik. Seit 2008 ist sie Geschäftsführerin der AG Globale Verantwortung.
Vergangene Woche präsentierte sie u. a. mit Hildegard Wipfel von der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz den Aid-Watch-Report der europäischen Entwicklungsorganisationen (NGOs). „Österreich spielt darin eine höchst unrühmliche Rolle. Da müsste jeder unserer Diplomaten im Ausland vor Scham erröten“, meint Ruth Picker (siehe Thema-Seite).
Verändern. Die 1973 in Linz geborene Sozialpsychologin ist seit ihrer Jugend politisch engagiert. Als Gymnasiastin war sie Schul- und Landesschulsprecherin in Wien. Parallel zu ihrem Studium arbeitete sie in einem Jugendzentrum mit vielen Gästen aus Migrantenfamilien. Bei einem Forschungsprojekt in Südafrika studierte sie die Arbeit der „Wahrheits- und Versöhnungskommission“. „Ich war tief berührt von Opfern von Gewalt und Unrecht, die von Angesicht zu Angesicht denen, die ihnen Leid angetan hatten, verzeihen konnten. Ich habe aber auch erlebt, dass Opfer, die weiterhin im Elend leben mussten, während es den Tätern gut ging, das nicht konnten.“ Vermutlich ein Grund, warum Picker nach einigen Jahren als Sozial- und Politikforscherin eine Auszeit nahm und einen Europäischen Master für Menschenrechte und Demokratisierung machte. Nach der Gründung der AG Globale Verantwortung wurde sie Geschäftsführerin. „Eine Arbeit, wo ich wirklich bei dem angekommen bin, was mich bewegt“, sagt die Mutter von zweijährigen Zwillingen. „Ich habe ein sehr stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und fühle mich verpflichtet, für eine gerechtere, solidarischere und liebevollere Welt etwas zu tun.“