Es ist unter anderem dem Song „Tick Of The Clock“ der Chromatics zu verdanken, den sie dem Soundtrack zu „Drive“ beisteuern, dass es den Zuseher direkt auf den Beifahrersitz neben Ryan Gosling zoomt, der, einem Italo-Western gleich, der Nacht entgegenrast. Mit „Kill For Love“ hat die Band nun das erste Studioalbum nach der Filmmusik veröffentlicht. Und es ist ein kleines New-Wave-Ungetüm, das sich beim Abspielen der CD im Wohnzimmer aufzutürmen beginnt: Den Beginn macht das Neil Young-Cover „Fade To Black“, das minimalistisch instrumentalisiert, sich aber umso beeindruckender in Szene setzt, wenn Ruth Radelet „Rock’n’Roll is here to stay / It’s better to burn out than to fade away“ ins Mikro haucht und den Rockmonolithen zu einer sanften Ballade umbastelt. Es folgt die erste Singleauskoppelung und zugleich der Titeltrack, der endgültig die 80er-Jahre zur Tür hereinbittet und die Discokugel anwirft. Songs wie „Back From The Grave“, „The Page“, „Lady”, „Candy” oder „These Streets Will Never Look The Same” führen das hoch angesetzte Niveau locker weiter. Mit Fortdauer der Spielzeit des Albums schleichen sich aber einige Lückenfüller ein, die der Dramaturgie des Albums zusetzen. Beim finalen „The River“ wird dann von der Tanzfläche ins Schlafzimmer gewechselt, wo noch voll Herz-Schmerz die Kissen voll geheult werden dürfen. „Kill For Love“ ist ein Werk, das sich zwischen bester 90er-Jahre Shoegazer-Musik und 80er-Jahre LoFi-Synthie-Pop bewegt und mit ein bisschen weniger Spielzeit nicht nur träumerisch schön, sondern schier bombastisch geworden wäre.
- Chromatics – Kill For Love (erschienen bei Italians Do It Better)