Schreiben ist menschlich, typisch menschlich. Abspeichern genügt dabei nicht. Nur das Wort, das man sich zu Herzen nimmt, lebt. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger
Eingeritzt in Stein. Auf Wänden gemalt in Höhlen. Geschriebenes zeigt: Hier war ein Mensch. Schreiben ist menschlich. Typisch menschlich. Ein Schuljahr beginnt. Schreiben sollen die Kinder lernen, denn das hebt sie heraus aus dem bloß Alltäglichen, aus dem Leben von einem Tag auf den anderen hin. In unserer Zeit beginnen die Buchstaben wieder flüchtig zu werden. Schnell hingetippt entschwinden sie in virtuellen Weiten, abgespeichert, dann vergessen. Aber Geschriebenes entfaltet sich nicht in Datenspeichern. Es keimt und wächst nur, wenn es einen Menschen erreicht. Du hast mich „in die Hand geschrieben“, heißt es in einem alten Kirchenlied, das bei Begräbnissen oft gesungen wird. Es will sagen: Leben hat Geltung über den Tod hinaus. Was Gott für den Menschen bedeutsam hält, wird Wort. Und weil er mit den in Stein gemeißelten Gebotstafeln nicht Gehör fand, schrieb er sein Gesetz dem Menschen ins Herz. So erzählt es die Schrift (Jer 31, 33). Schreiben lernen – das betrifft nicht nur Kinder. Es ist eine Sache des Lebens. So ist es auch im Glauben. Abspeichern genügt nicht. Nur das Wort, das man sich zu Herzen nimmt, lebt.