Der frische Blick einer 19-jährigen Künstlerin auf den Arabischen Frühling
Nicht alles blind glauben, was die Medien über Ägypten berichten, wollte Agnes Aistleitner. Auf eigene Faust reiste die junge Künstlerin nach Kairo, um sich selbst ein Bild machen zu können. Ihre Begegnungen und Recherchen hat sie in einem 14-minütigen Videoclip zusammengefasst.
Der Arabische Frühling, der im Jänner 2011 seinen Anfang nahm, übt auf Agnes Aistleitner eine große Faszination aus. „Die Leute haben wirklich etwas getan, um was zu verändern. Vor allem die Jungen“, sagt die 19-Jährige aus Tragwein. Zeitungsberichte, Internetblogs, Sondersendungen über Ägypten verfolgte sie mit großem Interesse, ohne ihren kritischen Blick zu verlieren. An einen Absolutheitsanspruch einzelner Medien glaubt sie sowieso nicht. „Es ist wichtig, verschiedene Blickwinkel einzunehmen, und sich auch mit gegensätzlichen Positionen und Meinungen auseinanderzusetzen.“ Gerade was die Berichterstattung über den Arabischen Frühling betrifft, beobachtete Agnes Aistleitner eine Einseitigkeit. Die Maturantin der HBLA für künstlerische Gestaltung in Linz beschloss deshalb, sich selbst ein Bild zu machen. Da ihr Gespräche mit Nahostexperten zu wenig Aufschluss lieferten, machte sie sich im Jänner 2012 auf eine Reise durch Kairo. Schreibtisch verlassen. Das Video von Agnes Aistleitner macht deutlich, dass es noch nie so einfach war, sich Infos über das Internet zu beschaffen. Noch immer muss man aber – so wie es die junge Künstlerin tat – den Schreibtisch verlassen, wenn man der Realität zumindest ein Stück weit auf die Spur kommen will. Während im Fernsehen mittlerweile der distanzierte Blick auf Analysen über Ägypten dominierte, suchte Agnes Aistleitner den direkten Kontakt zur Bevölkerung. Beeindruckt hat die 19-Jährige der Mut der Frauen in Ägypten: „Ihre Situation könnte sich zwar verschlechtern, aber sie wehren sich dagegen, so wie sie sich bei der Revolution sehr bemüht haben“. Im Video trifft Agnes Aistleitner auf eine sehr politisch denkende Bevölkerung, die sich noch immer zu kleineren Demos versammelt, etwa um gegen die Inhaftierung eines Armeekritikers mobil zu machen. Ausführlich zu Wort kommt ein liberaler Politikwissenschaftler. Auch dieser wirbt für eine differenzierte Sicht der Dinge: „Der Westen sollte sich nicht auf eine Seite schlagen, sondern mit allen reden. Auch mit den Islamisten“.
Zur Sache
Das international renommierte Ars Electronica Festival fand heuer von 30. August bis 3. September statt. „Create your world“ war dabei die Jugendschiene des Festivals. Gewinnerin der Goldenen Nica bei „Create your world“ ist Agnes Aistleitner. Ihr Siegerfilm: http://prix2012.aec.at/prixwinner/7446/