Warum die fromm-brave Schiene bei Jugendlichen wenig sinnvoll ist, welche Bedeutung große Events für den Glauben haben und was interessanter ist als Diskussionen über Unfehlbarkeit und Zölibat, erzählt Jakob Foissner von der Katholischen Jugend Oberösterreich (KJ OÖ).
Ausgabe: 2012/37, Glaube, Sexualität, Zölibat, Jugendwertestudie, Jakob Foissner, Exotenstatus, Glaubenskommunikation
11.09.2012
- Paul Stütz
Die aktuelle Jugendwertestudie zeigt, dass nur ein Fünftel der Jugendlichen sich selbst als religiös bezeichnet. Hat man als glaubender Jugendlicher schon Exotenstatus? Jakob Foissner: Als bekennend glaubender Jugendlicher schon. Es ist out, über den Glauben zu sprechen. Aber Jugendliche glauben an einen größeren Sinn, dessen bin ich mir sicher.
Sind religiöse Jugendliche zu schüchtern, um über ihren Glauben zu reden? Könnte man so sagen. Es ist ein Tabuthema. Jugendliche reden lieber mit ihren Freunden über Sexualität als über Glaube. Der Glaube ist noch privater und intimer. Versuchst du, besonders fromm zu wirken, wenn du über den eigenen Glauben sprichst? Wenn fromm sein heißt, möglichst brav rüberzukommen, dann auf keinen Fall. Ich sag den Jugendlichen, was ich glaube und warum, aber nicht, was sie glauben sollen. Wir wollen bei der Katholischen Jugend mündige Christen sein.
Wie weit sollen gläubige Jugendliche für die katholische Kirche werben? Dass Jugendliche, die in Pfarren aktiv sind, hinausgehen in die weite Welt und über ihren Glauben sprechen, wird nicht passieren. Wir bringen in der Katholischen Jugend keine Missionare hervor, sondern wir wollen in unserem Glauben reifer werden. Durch unser Beispiel wirken wir dann in der Welt. Wie können Jugendliche für die Kirche gewonnen werden? Vor allem über Beziehungsarbeit. Wenn ich mit meinem Auftreten zeige, dass der Weg Katholische Jugend einer ist, wo man lässige Leute trifft, wo man angenommen ist, wo es Sinn hat, dabei zu sein. Egal ob es spirituelle oder gesellige Gründe sind. Wie wichtig sind große Events, um Glaube zu leben? Es braucht diese Events, dass man sich in der Gruppe spürt, aus dem Alltag aussteigt und neue Erfahrungen macht. Es braucht aber gleichzeitig, dass man sich selbst Gedanken macht. Der Austausch über den Glauben funktioniert in einer kleinen Gruppe besser. Bedeutet Glaubenskommunikation auch, über die heißen Eisen in der katholischen Kirche zu reden? Ich hab schon unzählige Male über Kirchenpolitik diskutiert,.Über Frauendiskriminierung, Zölibat, Unfehlbarkeit und diese ganzen Themen. Aber wir kratzen damit immer nur an der Oberfläche. Viel interessanter und wichtiger ist für mich das, was du glaubst und hoffst. Deswegen sehe ich Glaubenskommunikation nicht als Kommunikation über die kirchenpolitischen Themen.
Wer glaubt, wird selig, ist das Motto des Jahresschwerpunkts der KJ. Kann man den Umkehrschluss ziehen: Wer nicht glaubt, wird nicht selig? Ich behaupte, jeder glaubt etwas. Wir sind als Menschen so angelegt, dass wir irgendwas glauben, auch wenn es nur der Glaube an das Gute im Menschen ist. Deswegen: Nein, es gibt für mich keinen Umkehrschluss.
Schwerpunkt
„Wer glaubt, wird selig!“ lautet der Schwerpunkt im Arbeitsjahr 2012/2013 der Katholischen Jugend. Im Mittelpunkt steht dabei die Glaubenskommunikation mit Jugendlichen.