Wem es gelingt den Arbeitskollegen oder Kunden mit Achtung und Nächstenliebe zu begegnen, braucht nicht auf das Wochenende zu warten, um glücklich zu sein. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Bedauernswert sind sie: Menschen, die jetzt schon ausrechnen, wie viele Wochen es noch sind bis zum nächsten Urlaub, wie lange es dauert bis zum nächsten schulfreien Tag, und wie lange es ist bis zum Wochenende. Dann erst begänne das Leben. Schön und „lebenswert“ wäre es nur an den sogenannten freien Tagen, alles andere wäre nur Mühe, man müsse es irgendwie hinter sich bringen. Für viele beginnt ein Arbeits- und Schuljahr. Glücklich dürfen sich Menschen schätzen, die ihm nicht wie einer schweren Prüfung entgegenfiebern, als etwas, das es zu bewältigen, zu „schaffen“ gilt, sondern die ihm mit Gelassenheit, ja Neugier entgegensehen. Besser gelingt dies Menschen, die andere Leute in ihrem ganzen Menschsein ernst nehmen. Sie sehen einander nicht „nur“ als Arbeitskollegen oder bloß als Kunden. Nächstenliebe hat Gott nicht eingeschränkt auf den privaten Bereich. Auch eine Kundschaft ist eine Zeitlang mein „Nächster“. Wem es gelingt, diese Achtung füreinander auch in den Alltag mitzunehmen, wird mit der Zeit wahrnehmen, wie viel an Schönem und Gutem zurückkommt – nicht erst am Wochenende, und nicht erst am nächsten freien Tag.