Eine Österreicherin fördert das friedliche Zusammenleben in Bosnien
„Sarajewo zeigt, dass Zusammenleben möglich ist“, sagt Vera Merkel von Sant‘Egidio Österreich. Sie hat ein Treffen in der bosnischen Hauptstadt mitorganisiert, um ehemalige Feinde erstmals zusammenzubringen.
Jedes Jahr treffen sich auf Einladung der Gemeinschaft Sant’Egidio namhafte Religionsführer und Politiker, aber auch viel engagiertes „Fußvolk“ zu einer neuen Station auf dem Pilgerweg des Friedens. Die Gemeinschaft, die in mehreren Konfliktherden vermittelnd tätig war und ist, will damit die Tradition der Friedensgebete von Assisi weiterführen. Vera Merkel, die Österreich-Verantwortliche von Sant’Egidio, hält es für ein starkes Zeichen, dass zum Friedenstreffen in Sarajewo erstmals Religionsführer und Politiker aus Exjugoslawien kamen, die sich seit dem Krieg nicht getroffen haben. „Die Leute hier sehnen sich nach einem Hoffnungszeichen, denn bis jetzt funktioniert das Zusammenleben nicht.“
Glaube konkret. Von Sant’Egidio hörte Vera Merkel erstmals als Schülerin in einer Radiosendung. „Das hat mich nicht mehr losgelassen, ich wollte dieses ganz konkrete Leben für Arme und Ausgegrenzte aus dem Evangelium kennenlernen.“ Nach der Matura ging Vera für ein Jahr als Au-pair nach Rom, um, wie sie sagt, „in diese Bewegung durch das tägliche angebotene Abendgebet und die gemeinsame Arbeit für die Armen hineinzuwachsen.“ Während ihres Slawistikstudiums in Wien hat sie dann die erste Sant’Egidio-Gruppe in Österreich mitaufgebaut, „weil Arme, Obdachlose und Flüchtlinge gibt es auch bei uns“. Weil die geborene Bregenzerin die Berge vermisst hat, ist sie mit ihrem Mann 2008 nach Innsbruck gegangen. Und dort besucht sie mit einer neuen Gruppe regelmäßig alte und einsame Menschen und Flüchtlingsfamilien.