Georg Mayer war der erste Österreicher, der an einer Holocaust-Gedenkstätte seinen Zivilersatzdienst leistete. Vor 20 Jahren ist der Tiroler nach Auschwitz aufgebrochen.
Bevor der Wörgler Georg Mayer am 1. September 1992 als erster österreichischer „Gedenkdiener“ nach Auschwitz aufbrach, riet ihm ein Ministerialbeamter davon ab. Es war noch nicht klar, ob dieses Jahr wirklich als Zivildienstersatz angerechnet würde. „Ich wollte das aber auf jeden Fall machen. Und mein Vater, der aus einer antinazistischen, katholischen Bauernfamilie stammte, hat mich sehr unterstützt. Er hat drei Brüder im Krieg verloren und wurde selber nur deshalb nicht eingezogen, weil er absichtlich so gehungert hat, dass er untauglich war.“ Vom Gedenkdienst (www.gedenkdienst.at), für den sich der Innsbrucker Politologe Andreas Maislinger viele Jahre lang hartnäckig eingesetzt hatte, erfuhr Mayer aus der Kirchenzeitung. „Und da wir uns schon während meines Geschichtestudiums in Innsbruck viel mit der ,Aufarbeitung‘ der NS-Zeit in Tirol beschäftigt hatten, hat mich das sofort interessiert.“
Lehren aus der Nazizeit ziehen
An der Gedenkstätte Auschwitz erlebte Mayer eine „spannende Zeit des Umbruchs durch junge, engagierte Leute. Und ich konnte viel im Archiv forschen. Das war total spannend, aber auch erschütternd, ja grauenvoll. Viel lernte ich auch von Mitarbeiter/innen, die selbst Kinder von Holocaust-Überlebenden waren.“ Auschwitz, so Mayer, habe seinen Blick geweitet und ihn sensibel gemacht dafür, wo Menschen zu Opfern gemacht werden. Heute, wo die Zeitzeugen immer weniger werden, sieht er es als wichtige Aufgabe ehemaliger Gedenkdiener, die „Lehren“ aus dieser Zeit weiterzutragen. Als Lehrer an der HBLA in Wien und am St.-Georgs-Kolleg in Istanbul war und ist er darum bemüht.