„Wenn ich das nur auf Facebook poste, passiert nix“
Aktionen wie die „72 Stunden“ sind ein Renner. Sie beweisen, dass sich viele Jugendliche gerne engagieren. Die Basisarbeit dazu leisten Jugendleiterinnen wie Sarah Orlovský.
Wer weiß als junger Mensch schon, wie Senioren im Altenheim leben? Auch Sarah Orlovský hatte kaum eine Vorstellung, bis ihr Mann die Ausbildung zum Alten- und Sozialbetreuer begann. „Durch ihn habe ich die Situation etwas kennengelernt“, erzählt die 28-jährige Jugendleiterin des Jugendhauses Servas in Vöcklabruck. Zum Beispiel dass dem Personal in den Altenheimen in der Regel schlicht die Zeit fehlt, um den Senior/innen zu helfen, ihre Freizeit individuell zu gestalten.
Kartenspiel mit Senioren. Das Projekt, das Sarah Orlovský ins Leben rief, soll diese Bedingungen für drei Tage ändern. Rund 20 Jugendliche werden sich im Rahmen der „72 Stunden ohne Kompromiss“ (siehe Kasten rechts unten) von 17. bis 20. Oktober intensiv mit den Senior/innen des Altenheims St. Klara in Vöcklabruck beschäftigen. Sei es beim Kartenspiel oder bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten. Oder im Fotostudio: Hier haben die Jugendlichen die Möglichkeit, die Senior/innen zu stylen und mit ihnen vor die Kamera zu treten. Damit passt das Vöcklabrucker Projekt gut in die diesjährige Schwerpunktsetzung: Solidarität der Generationen.
Zur Teilnahme motivieren. Der Großteil der Jugendlichen, die bei dem Projekt mitmachen, wurde von Sarah Orlovský konkret darauf angesprochen. Es sind sowohl Schüler des Bundesrealgymnasium Schloss Wagrain in Vöcklabruck als auch eine Gruppe junger Frauen, die zu den Stammgästen des Jugendhauses Servas zählt. Junge Leute zum sozialen Engagement motivieren ist viel Beziehungsarbeit, weiß Sarah Orlovský. „Wenn ich eine E-Mail mit der Bewerbung von den 72 Stunden ausschicke, passiert nix, poste ich auf Facebook, bekomme ich vielleicht ein paar Likes und es passiert aber auch nix. Es funktioniert nur über den persönlichen Kontakt. Wichtig ist auch dranzubleiben, besonders bei großen Veranstaltungen. Denn manche Jugendlichen halten sich alle Optionen offen unter dem Motto: Es könnte etwas noch Cooleres kommen.“ Herzliche Beziehung. Von Vorteil ist, dass die Beziehung zwischen der Jugendleiterin und den Servas-Gästen herzlich bis freundschaftlich ist. So sehr, dass viele Sarah Orlovský nicht direkt in ihrer Berufsrolle wahrnehmen. „Manche fragen mich, was ich wirklich beruflich mache“, grinst die 28-Jährige.
Punktuelles Engagement. Rita Kaiblinger und Tabea Strobl aus St. Georgen sind zwei der Jugendlichen, die Sarah Orlovský für das Altenheim-Projekt begeistern konnte. Die beiden 17-jährigen Schülerinnen engagieren sich gerne sozial. Am liebsten punktuell für einzelne Aktionen, wie Tabea erzählt: „Ich bin in der Schule sehr eingespannt. Ein zusätzlicher wöchentlicher Fixpunkt würde mich zu sehr stressen. Schön ist, dass wir in den drei Tagen ein Projekt voranbringen.“ So passt das 72 Stunden-Engagement im Seniorenheim ideal für Tabea. Rita verbindet zudem Hoffnungen auf die Zeit nach dem Projekt, wie sie sagt: „Mich würde es sehr freuen, wenn der Kontakt zu den Senioren auch nach den drei Tagen bestehen bleibt.“
72 Stunden ohne Kompromiss von 17. bis 20. Oktober
Drei Tage lang heißt es bei „72 Stunden ohne Kompromiss“ für 5000 Jugendliche in ganz Österreich „anpacken und Gutes tun“: Bereits zum sechsten Mal geht die größte Jugendsozialaktion Österreichs von 17. bis 20. Oktober über die Bühne. Innerhalb von 72 Stunden lösen Gruppen von 5 bis 20 Jugendlichen eine Aufgabe. In Oberösterreich gibt es dieses Mal einen Teilnahmerekord: Rund 1000 Jugendliche werden sich in 69 Projekten engagieren. Getragen wird die Aktion von der Katholischen Jugend Österreich in Zusammenarbeit mit youngCaritas und Ö3. Der Schwerpunkt der Aktion 2012 lautet: Solidarität der Generationen. www.72h.at