Die Mitte – das ist der Platz, dem alles zustrebt. Hier erntet man Anerkennung, genießt Aufmerksamkeit. Solange man den Platz in der Mitte behauptet, ist man sicher – da fällt man nicht so leicht hinaus. In den Zentralstellen sind die Hebel der Macht. Hierher wird zugearbeitet. Von hier aus ergehen die Devisen, hier verdient man auch gut. Aber Plätze in der Mitte sind rar. Und auch wenn die Katholische Kirche wie keine andere zentral organisiert ist, verdankt sie ihre Existenz doch einem, der die Gegendevise ausgegeben hat: Weg von der Mitte, hinaus in die Welt. Die Zentralen sind nicht die Orte, an denen sich der Glaube vorrangig verwirklicht. Fort sollt ihr gehen, schickt Jesus die Jünger hinaus in die Welt. Und er meinte wohl nicht nur die räumlich ent-fernten Völker, sondern die „Randständigen“ seiner Zeit. Aussätzige. Sünder. Fremde. Kranke. Menschen, auf die keiner mehr setzt. Eher den Gürtel in Wien als den Stephansplatz, eher Fabrikshallen als Sakristeien, eher die Behausungen der Vergessenen als VIP-Lounges der Wichtigen. Die Außenbezirke des Lebens sind die Orte des Glaubens – wo sie die Blicke nicht auf sich zu lenken versuchen, sondern selbst ein Auge für Menschen haben.