Der Ökumenischen Rat der Kirchen Österreichs übt heftige Kritik an „krisenhaften Entwicklungen in der Politik“. Ein kraftvoller Weckruf findet Hans Baumgartner.
Ausgabe: 2012/43, Kommentar, Kirche, Senf, Sozialwort, Ökumenischer Rat,
24.10.2012
- Hans Baumgartner
Seit der Erarbeitung des gemeinsamen Sozialwortes ist im Ökumenischen Rat der Kirchen Österreichs das Bewusstsein gewachsen, dass die gesellschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen im Lande auch „Sache“ der Kirchen sind. Als es im Österreich-Konvent um wesentliche Weichenstellungen für die Zukunft des Landes ging, haben sich die Kirchen engagiert eingebracht. Mit Stellungnahmen zu aktuellen politischen Ereignissen blieb man aber zurückhaltend. Da mussten schon deutlich Grenzen überschritten werden, damit sich die Kirchen gedrängt sahen, ihre Warnschilder aufzustellen – etwa gegen ausländer- oder religionsfeindliche Ausfälligkeiten, die geeignet waren, den inneren Frieden zu gefährden.
Der Ökumenische Rat gibt seinen Senf nicht zu jedem öffentlich servierten „Würstl“ dazu. Deshalb lässt es umso mehr aufhorchen, wenn er jetzt heftige Kritik an „krisenhaften Entwicklungen in der Politik“ übt und von „Verhaltensweisen von politisch Tätigen spricht, die mit moralischen Grundsätzen absolut unvereinbar sind und dem Ansehen der Politik schweren Schaden zufügen“. Man könnte dazu sagen: Warum die Aufregung, wenn sich die Politik schaden will, dann ist das ihre Sache. Genau das ist es aber nicht. Denn angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise und des Reformstaus in Österreich wäre eine entschlossene und ehrliche Politik notwendig, meinen die Kirchenvertreter. Und sie weisen auch auf die „Baustellen“ im Bereich der Bildung, der Armutsbekämpfung, der Pflege, der Umwelt, der Zuwanderung und der internationalen Solidarität (Entwicklungshilfe) hin. Ein kraftvoller Weckruf. Ob er gehört wird, hängt auch von den Bürger/innen ab, ob sie ihre Politiker/innen damit konfrontieren.