Gruftis und Kompostis sind wir Älteren für manche Jugendlichen. Ein Unter Uns von Ernst Gansinger.
Ausgabe: 2012/43, Kind, Schule, Eltern, Jugend, Leben
24.10.2012
- Ernst Gansinger
Ich erinnere mich, wie mir, als ich ein Kind war, meine Eltern ziemlich alt vorgekommen sind. Der Vater war tatsächlich schon ein gesetzter Herr, aber die Mutter war 33 Jahre jung, als ich in die Schule kam. Dennoch: Andere hatten jüngere Mütter.
Nun bin ich jenseits der 60er-Grenze und älter als viele, mit denen ich zu tun habe. Junge Menschen, die mir nahestehen, machen ganz gerne einmal ein Witzchen, ob sie mir über die Straße helfen sollen oder ähnliche freundliche Angebote.
Die Jugend war wohl schon immer alters-überlegen und versprühte gerne den damit verbundenen Charme! Vor zehn Jahren – oder ist es schon 20 Jahre her? (wenn man älter wird, scheint die Zeit im Rückblick immer so kurz) – hat mir ein Jugendlicher die Chronologie des Alterns geschildert. Ohne die Lebensjahre genau zuzuordnen, nannte er zwei Kategorien: die Gruftis und dann die Kompostis.
Zu Letzteren muss mich wohl eine Jugendliche zählen, die mich in einer Diskussion über Popsongs fragte: „Hat es die schon gegeben, als du gelebt hast?“ – Ja. Und noch mehr: Als ich gelebt habe, haben alle am Leben teilgenommen.